Offen schwuler Chase Oliver kandidiert für das US-Präsidentenamt als Kandidat der Libertären Partei
- Redaktion

Chase Oliver ist der Präsidentschaftskandidat der Libertären Partei bei den US-Wahlen 2024 und der einzige offen schwule Kandidat im Rennen. Er ist 39 Jahre alt, Aktivist und überzeugter Libertärer. Umfragen geben ihm nur 1–2 % Unterstützung, reale Siegchancen hat er nicht, doch seine Kampagne erregt Aufmerksamkeit.
Oliver wurde 1985 in Nashville, Tennessee, geboren. Vor seiner politischen Laufbahn arbeitete er 13 Jahre in der Gastronomie. Derzeit lebt er in einem Vorort von Atlanta. Er bezeichnet sich selbst als „bewaffneten Schwulen“ und ist praktizierender Christ.
Sein politisches Engagement begann mit Protesten gegen den Irakkrieg unter George W. Bush. 2010 lernte er die Libertäre Partei auf einem LGBT-Festival in Atlanta kennen. 2020 kandidierte er für den Kongress, 2022 für den Senat — beide Male ohne Erfolg.
Seine Plattform verbindet die Unterstützung von LGBT-Rechten und dem Recht auf Abtreibung mit dem Schutz des Waffenrechts und massiven Kürzungen der Bundesausgaben. Oliver befürwortet offen das Recht auf Waffenbesitz und betont dessen Bedeutung für die Selbstverteidigung der LGBT-Gemeinschaft: „Bewaffnete Schwule lassen sich schwerer unterdrücken und schwerer zusammenschlagen.“
Er lehnt Gesetze ab, die Drag-Shows einschränken, und wendet sich gegen staatliche Regulierung der Teilnahme von Transfrauen am Frauensport — solche Entscheidungen sollten den Sportverbänden überlassen bleiben. In der Außenpolitik verfolgt Oliver eine nicht-interventionistische Linie: Er fordert die Schließung aller US-Militärbasen im Ausland und das Ende der Auslandshilfe. Die Kämpfe zwischen Israel und Hamas bezeichnete er als „Genozid“ und verlangt einen sofortigen Waffenstillstand.
Oliver dringt außerdem auf ein Ende des Krieges gegen Drogen, die Legalisierung von Marihuana und die Entkriminalisierung aller Rauschmittel, wobei er Portugal als Beispiel anführt. Er setzt sich für Freihandel, niedrigere Steuern und minimale staatliche Eingriffe ein.
Im Juni 2024 sprach Donald Trump auf dem Parteitag der Libertären Partei, wurde dort aber ausgebuht. Oliver sagte, Trump habe „genau den libertären Empfang bekommen, den ein Mann wie er verdient“.
Zum Zeitpunkt der Wahl hatte die Libertäre Partei in vierzig Bundesstaaten und dem District of Columbia den Zugang zum Stimmzettel gesichert. Die Partei zählt mehr als 700.000 registrierte Mitglieder und ist die drittgrößte Partei der USA. Oliver sieht seine Kampagne als Inspiration für künftige LGBT-Politikerinnen und -Politiker und will junge Wähler ansprechen, die von beiden großen Parteien enttäuscht sind.