In einem indischen Nationalpark Krabben mit männlichen und weiblichen Merkmalen zugleich entdeckt

Vela carli
Vela carli

Im Silent-Valley-Nationalpark im indischen Bundesstaat Kerala wurden Süßwasserkrabben der Art Vela carli entdeckt , die in ein und demselben Körper sowohl männliche als auch weibliche biologische Merkmale aufweisen. Dieser Zustand wird als Gynandromorphismus bezeichnet — eine seltene Erscheinung, bei der ein einzelnes Individuum gleichzeitig Merkmale beider Geschlechter zeigt. Die Ergebnisse der Studie wurden in der internationalen Fachzeitschrift Crustaceana veröffentlicht.

Drei solcher Krabben wurden während Biodiversitätserhebungen in den Wäldern des Parks in Baumhöhlen gefunden. Insgesamt untersuchten die Forschenden mehr als 120 Exemplare. Bei den betroffenen Krabben stellten sie männliche Fortpflanzungsstrukturen neben weiblichen Merkmalen fest, darunter Gonoporen — Geschlechtsöffnungen, die mit der Fortpflanzung verbunden sind.

Vela carli ist eine endemische Süßwasserkrabbe, die ausschließlich in den Wäldern und Bächen der zentralen Westghats vorkommt. Laut den Autoren der Studie handelt es sich um den ersten bekannten Fall von Gynandromorphismus bei dieser Art. Bei Krebstieren insgesamt tritt das Phänomen selten auf, und in der Süßwasserkrabbenfamilie Gecarcinucidae, zu der Vela carli gehört, war es zuvor nicht dokumentiert worden.

Die Studie wurde von K.S. Anoop Das und K.T. Fahis vom Centre for Conservation Ecology am MES Mampad College zusammen mit dem Krabbenspezialisten Sameer K. Pati und Purnima Kumari vom Zoological Survey of India durchgeführt. Laut Das, der das Zentrum leitet, wurde Gynandromorphismus bereits bei mehreren Familien von Meeres- und Süßwasserkrabben beschrieben, nicht jedoch bei der Familie Gecarcinucidae.

Das geht davon aus, dass die Ursache des Phänomens höchstwahrscheinlich mit internen Entwicklungsprozessen des Organismus zusammenhängt und nicht mit Umweltverschmutzung: Der Lebensraum der gefundenen Krabben war frei von Schadstoffen. Die Autoren vermuten, dass Gynandromorphismus mit Überlebensstrategien zusammenhängen könnte — er ermöglicht es der Krabbe, sich auch ohne Artgenossen des anderen Geschlechts fortzupflanzen.

Dass die Krabben in Baumhöhlen gefunden wurden, war an sich ungewöhnlich: Diese Art lebt normalerweise in der Nähe von Bächen. Laut Das deutet dies auf den Artenreichtum der Ökosysteme in Baumhöhlen hin.

Die Studie wurde vom Department of Science and Technology und dem Science and Engineering Research Board Indiens (heute Anusandhan National Research Foundation) finanziert.