Griechischer Pavillon der Venedig-Biennale wird zum Escape Room über faschistische Geschichte und Zak Kostopoulos

Auf der 61. Venedig-Biennale wird Griechenland von dem Künstler und Architekten Andreas Angelidakis mit der Installation Escape Room vertreten. Im griechischen Pavillon verbindet er eine S&M-Club-Ästhetik, die Geschichte des Gebäudes von 1934, Platons Höhlengleichnis und die Erinnerung an Zak Kostopoulos, den griechisch-amerikanischen LGBT- und HIV-Aktivisten und Drag-Künstler, der als Zackie Oh bekannt war.

Die Ausstellung ist vom 9. Mai bis zum 22. November 2026 öffentlich zu sehen; die Biennale-Preview findet vom 6. bis 8. Mai statt. Nach Angaben der offiziellen Website der Venedig-Biennale trägt die 61. Internationale Kunstausstellung den Titel In Minor Keys und findet in den Giardini, im Arsenale und an weiteren Orten in Venedig statt.

Im Inneren des Pavillons schafft Angelidakis keinen neutralen Ausstellungsraum, sondern eine Umgebung, die zugleich an einen Nachtclub und an ein Fluchtspiel erinnert. Besucher betreten einen abgedunkelten Raum mit rotem Licht, weichen Objekten, Bildern von Ketten, Säulenfragmenten und Verweisen auf Drag-Kultur. In diesem System sind Ketten und clubartige Körperlichkeit keine Dekoration, sondern eine Sprache, um über Kontrolle, Gewalt, nationale Mythologie und den Versuch zu sprechen, überlieferte historische Formen zu verlassen.

Kostopoulos nimmt in der Arbeit einen eigenen Platz ein. Er wurde am 21. September 2018 nach einem Angriff im Zentrum von Athen getötet. Amnesty International beschrieb ihn als queeren Aktivisten, Drag-Künstler und Menschenrechtsverteidiger. Human Rights Watch berichtete später, dass ein Berufungsgericht in Athen im Juli 2024 zwei Männer einstimmig wegen seiner Tötung verurteilte; einer erhielt sechs Jahre Haft, der andere wegen seines Alters fünf Jahre Hausarrest.

Für Leser außerhalb des Kunstkontexts ist wichtig: Die nationalen Pavillons in den Giardini sind nicht nur Ausstellungsräume. Es sind Gebäude, durch die Staaten sich seit Jahrzehnten international darstellen. Die Website der Venedig-Biennale erinnert daran, dass der erste dauerhafte nationale Pavillon in den Gärten 1907 entstand, als Belgien seinen Pavillon baute.

Der griechische Pavillon wurde 1934 eröffnet. Angelidakis macht genau dieses Jahr zum Ausgangspunkt der Arbeit: 1934 wurden der griechische und der österreichische Pavillon eingeweiht, Adolf Hitler traf Benito Mussolini zum ersten Mal in Venedig, und das NS-Regime begann mit der Verfolgung von Homosexuellen. In der offiziellen Projektbeschreibung heißt es, der Pavillon werde in eine zeitgenössische platonische Höhle verwandelt, in der die Vergangenheit des Gebäudes mit Post-Truth, nationalistischem Populismus und Propaganda verbunden wird.

Umstritten ist das Projekt, weil es einen nationalen Pavillon gegen die Idee eines geglätteten nationalen Bildes einsetzt. Angelidakis arbeitet mit der Architektur des Gebäudes wie mit einer Figur, die versucht, der eigenen Geschichte zu „entkommen“. In diesem Sinn ist Escape Room nicht nur eine Ausstellung über Griechenland, sondern auch eine Frage danach, was nationale Repräsentation in der Kunst überhaupt tut: Kultur zeigen, einen Staatsmythos befestigen oder diesen Mythos zerlegen.

Kuratiert wird das Projekt von Georgios Bekirakis. Nationaler Kommissar ist MOMUS, die Metropolitan Organisation of Museums of Visual Arts of Thessaloniki, und Griechenlands Teilnahme wird vor allem vom griechischen Kulturministerium finanziert. Die Arbeit existiert deshalb in zwei Registern zugleich: als offizielle nationale Präsentation und als Kritik an den Mechanismen, durch die nationale Identität zur Ausstellungsform wird.