Paar aus Botswana zieht vor Gericht, um gleichgeschlechtliche Ehen zu legalisieren

Bonolo Selelo und Tsholofelo Kumile sind vor Gericht gezogen, um die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Botswana zu erreichen. Die Anhörungen sind für den 14. und 15. Juli angesetzt. Im Erfolgsfall wäre Botswana nach Südafrika das zweite Land in Afrika, das gleichgeschlechtliche Verbindungen zulässt.

Die Frauen lernten sich im Oktober 2023 auf einem Pride-Event in Gaborone kennen und verlobten sich ein halbes Jahr später. Ein lokales Regierungsbüro weigerte sich, ihre Ehe zu registrieren. Daraufhin beschloss das Paar, die Ablehnung vor Gericht anzufechten. Laut Selelo, die als Anwältin arbeitet, ist eine offizielle Ehe in erster Linie für den rechtlichen Schutz ihrer Partnerin in unvorhergesehenen Situationen erforderlich.

2019 entkriminalisierte Botswana gleichgeschlechtliche Beziehungen: Der Oberste Gerichtshof erklärte ein Gesetz aus der Kolonialzeit, das sie verbot, für verfassungswidrig. Im Jahr 2021 bestätigte ein Berufungsgericht diese Entscheidung.

Derzeit verteidigt die Regierung jedoch das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe. Ein Vertreter des Generalstaatsanwalts von Botswana erklärte, dass das Ehegesetz ausschließlich eine Verbindung zwischen Mann und Frau impliziere. Die Klägerinnen berufen sich als Antwort auf das Interpretationsgesetz, wonach Wörter in Gesetzesakten, die ein Geschlecht bezeichnen, automatisch auch das andere einschließen.

Der Fall stieß bei traditionellen und religiösen Organisationen auf Widerstand. Etwa 80 % der Bevölkerung Botswanas sind Christen. Die Dingwetsi Association, eine Frauengruppe, die heterosexuelle Ehen und die traditionelle Kultur verteidigt, lehnt die Legalisierung ab. Ihnen schlossen sich Kirchenvertreter an. Moshe Morebodi vom Botswana House of Prayer and Transformation bezeichnete die Rechte gleichgeschlechtlicher Paare als “eine Unterart einer satanischen Sekte”.

Umfragen zeigen, dass sich die Einstellung der Gesellschaft gegenüber LGBT-Personen nach der Entkriminalisierung der Homosexualität verschlechtert hat. Im Jahr 2021 ergab eine Studie von Afrobarometer, dass die Hälfte der Befragten nichts gegen schwule Nachbarn hatte. Drei Jahre später sank dieser Wert auf 41 %. Um diesen Trend umzukehren, startete die Menschenrechtsgruppe Legabibo die Kampagne “Lorato Ke Lorato” (“Liebe ist Liebe”).

Die Situation der Rechte von LGBT-Personen in Afrika bleibt vielfältig. In 32 der 54 Länder auf dem Kontinent bleiben gleichgeschlechtliche Beziehungen eine Straftat. Gleichzeitig sind die Gesetze im südlichen Afrika milder: Seit 2012 wurden einvernehmliche homosexuelle Beziehungen in Lesotho, Mosambik, auf den Seychellen, in Angola, Mauritius und Namibia legalisiert. Gleichzeitig bleibt Südafrika das einzige afrikanische Land, in dem gleichgeschlechtliche Ehen seit 2006 erlaubt sind.

Quelle: The Guardian