Taipehs Bürgermeister Chiang Wan-an entschuldigt sich bei Pride für Razzia in Schwulenbar

Am 31. Oktober 2026 entschuldigte sich Taipehs Bürgermeister Chiang Wan-an erneut für das Vorgehen der Polizei bei der Durchsuchung der Schwulenbar Commander D in Taiwans Hauptstadt. Er äußerte sich bei Taiwan Pride, wo ihn einige Teilnehmer mit Buhrufen und Protestschildern empfingen, berichtet NOWnews.
Laut Taiwans Zentraler Nachrichtenagentur CNA erklärte der Bürgermeister, er habe die Polizei angewiesen, den Bericht der internen Verwaltungsuntersuchung zur Razzia so weit wie möglich zu veröffentlichen. Dabei müsse die Vertraulichkeit der laufenden Ermittlungen gewahrt bleiben. Chiang bedauerte die unangemessenen Äußerungen und Handlungen von Beamten und kündigte die Fortsetzung der städtischen Gleichstellungspolitik an.
Bereits am 13. Oktober hatten die Pride-Veranstalter eine unabhängige Untersuchung mit externer Aufsicht gefordert, ebenso die Veröffentlichung der Ergebnisse und die Klärung der Verantwortung von Polizeivorgesetzten. Die Teilnahme eines Politikers am Umzug dürfe die Auseinandersetzung mit Beschwerden gegen die Behörden nicht ersetzen und Pride nicht zur Wahlkampfbühne machen.
Am 29. Oktober teilte die Stadtverwaltung mit, der Verwaltungsbericht sei fertiggestellt und an die Nationale Polizeibehörde weitergeleitet worden. Unabhängig davon ermittelt die Staatsanwaltschaft Taipeh aufgrund einer am 7. Oktober eingereichten Anzeige zivilgesellschaftlicher Gruppen wegen des Verdachts auf rechtswidrige Durchsuchung, Nötigung und Freiheitsentziehung. Die Stadt versprach zudem Polizeirichtlinien unter Berücksichtigung der Vorschläge von LGBT-Gruppen sowie rechtliche und psychologische Hilfe für Betroffene.
Die Durchsuchung im Bezirk Wanhua fand am 3. Oktober statt. Die Polizei hält ihr Vorgehen für rechtmäßig, räumte jedoch unangemessene Äußerungen von vier Beamten ein. Laut CNA wurden diese disziplinarisch belangt; auch der Revierleiter und der Leiter des Ermittlungsteams wurden wegen Aufsichtsmängeln bestraft. Die Vorwürfe zur Rechtmäßigkeit des gesamten Einsatzes werden weiter untersucht.
Wie Taiwan Television am 1. November berichtete, kündigte Commander D an, bis zum 8. November geöffnet zu bleiben, und nannte das Ende des Mietvertrags als Schließungsgrund. Ein Zusammenhang mit der Polizeirazzia ist nicht bestätigt; auch NOWnews bezeichnet deren Einfluss auf die Schließung als unbekannt.
Uránia berichtete bereits über die Razzia in Commander D und die anschließenden Proteste, die ersten Entschuldigungen des Bürgermeisters sowie Disziplinarmaßnahmen gegen Polizisten.


