LGBT-Fraktion in russischer Oppositionspartei „Friedliches Russland“ nimmt Arbeit auf
In der russischen Oppositionspartei „Friedliches Russland“, die im Exil tätig ist, fand am 22. Oktober 2026 der Gründungskongress einer LGBT-Fraktion statt. Zum Koordinator wurde der Menschenrechtler Igor Kotschetkow gewählt, Mitbegründer des Russischen LGBT-Netzwerks. Über den Beginn der Arbeit berichtete Parni PLUS am 23. Oktober.
Am Kongress nahmen 36 Menschen teil. Nach Angaben Kotschetkows hatte die Fraktion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung 40 Mitglieder; weitere Anträge gingen ein. Die Versammlung verabschiedete ein Manifest und wählte einen Rat. Ihm gehören neben dem Koordinator Alexander Belik, Salina Marschenkulowa, Alexander Chmeljow, Jewgeni Pisemski, Wioletta Grudina und Swetlana Utkina an.
Die Mitgliedschaft steht auch heterosexuellen Unterstützern offen; Beschränkungen aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität gibt es nicht. Wie Kotschetkow bereits während der Gründungsvorbereitungen erklärte, will sich die Fraktion an allen Arbeitsbereichen der Partei beteiligen, über LGBT-Themen hinaus.
Eine Mitteilung auf dem Parteikanal nennt die Ziele der Fraktion: Diskriminierung bekämpfen, die rechtliche Anerkennung der Geschlechtsidentität erreichen, LGBT-Jugendliche vor Mobbing schützen sowie die „Propaganda“-Gesetze und die Einstufung der „LGBT-Bewegung“ als extremistisch aufheben. Weitere Aufgaben seien die Rehabilitierung zu Unrecht Verurteilter, die Untersuchung von Straftaten gegen LGBT-Menschen und die Sicherung des säkularen Charakters des Staates.
Als unmittelbare Priorität nannte Kotschetkow die Mitarbeit am Parteiprogramm. Auch die Anliegen von LGBT-Geflüchteten sollen in die politische Interessenvertretung der Partei einfließen.
Gegenüber Parni PLUS schilderten Mitglieder unterschiedliche Erwartungen. Marschenkulowa sprach über Aufklärung und den Abbau von Stereotypen, auch innerhalb der Partei. Grudina betonte die politische Teilhabe und wandte sich dagegen, LGBT-Rechte zum Gegenstand politischer Tauschgeschäfte zu machen. Pisemski sprach darüber, offen lebende LGBT-Politiker auf künftige Aufgaben in russischen staatlichen Institutionen vorzubereiten.
Ein Mitglied namens Wadim schlug vor, Erfahrungen aus der Emigration für die Gesetzgebung zu nutzen, etwa für Regelungen zu Ausweisdokumenten nichtbinärer Menschen. Danila verbindet die Arbeit der Fraktion mit Aufklärung und öffentlicher Vertretung, Konstantin mit gleichen Familienrechten, darunter die Möglichkeit, seinen Ehepartner zu vertreten und ihn auf der Intensivstation zu besuchen.
„Friedliches Russland“ selbst wurde am 12. und 13. Juni 2026 in Berlin gegründet. Zum Vorsitzenden wurde der russische Oppositionspolitiker Ilja Jaschin gewählt. Die Partei lehnt den Krieg in der Ukraine ab und will an politischen Veränderungen in Russland mitwirken; die neue Fraktion ist eine ihrer internen Gruppierungen.


