Einige transgeschlechtliche Wähler in den USA wollen trotz Transfeindlichkeit mancher demokratischer Kandidaten die Demokraten wählen

Einige transgeschlechtliche Wähler in den USA wollen bei den Wahlen am 3. November 2026 die Demokraten unterstützen, obwohl sie von Äußerungen der Kandidaten zu den Rechten transgeschlechtlicher Menschen enttäuscht sind. Das geht aus einer Reportage von Uncloseted Media und The 19th hervor, die am 28. Oktober veröffentlicht und vom Washington Blade übernommen wurde. Der Beitrag schildert die Ansichten einzelner Gesprächspartner aus mehreren Bundesstaaten, keine Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage.
Ein Anlass für den Streit ist ein Wahlwerbespot der Kinderärztin Annie Andrews, der demokratischen Kandidatin für den US-Senat in South Carolina. Wie CNN berichtet, sprach sie sich am 8. Oktober gegen die Teilnahme transgeschlechtlicher Frauen am Frauensport aus, bezeichnete sie als „biologische Männer“ und lehnte geschlechtsangleichende Operationen bei Minderjährigen ab. Auf der Website ihres Wahlkampfteams heißt es, beide Positionen seien durchgängig vertreten worden; ihre Kritik an einem Sportgesetzentwurf von 2022 sieht das Team nicht als Widerspruch.
Max Sorgenfrey, eine transgeschlechtliche Bewohnerin von Charleston, sagte den Reportern, sie werde dennoch Andrews wählen und hoffe, sie anschließend an ihren Verpflichtungen gegenüber LGBT-Wählern messen zu können. Doch nicht alle entscheiden sich so: Kathleen Burns aus Ohio, die mit einer transgeschlechtlichen nichtbinären Person verheiratet ist, will andere Demokraten unterstützen, bei der Gouverneurswahl mit Kandidatin Amy Acton aber niemanden ankreuzen.
Die Bürgerrechtsorganisation Equality Ohio stufte Acton nach ihren Äußerungen über transgeschlechtliche Menschen von A auf B herab. Sie gibt jedoch auch die Antwort des Wahlkampfteams wieder: Die Kandidatin verspreche, gegen Diskriminierung einzutreten, und meine, medizinische Entscheidungen sollten Patienten und Ärzte treffen. Equality Ohio erklärt, ein B stehe für eine unzureichend belegte bisherige Bilanz bei zugleich unterstützenden öffentlichen Aussagen zu LGBT-Anliegen.
In Iowa erklärte auch der demokratische Senatskandidat Josh Turek in einem Werbespot, er sei gegen die Teilnahme transgeschlechtlicher Frauen am Frauensport und gegen die Finanzierung geschlechtsangleichender Operationen aus Steuergeldern. Laut Iowa Capital Dispatch kritisierte die LGBT-Organisation One Iowa Action seine Haltung zur öffentlichen Finanzierung der Behandlung. Republikaner warfen ihm dagegen vor, seine Aussagen widersprächen früheren Abstimmungen. Turek selbst sagt, er lehne Diskriminierung ab, halte aber Regeln im Sport für notwendig.
In Texas begründete die Anwältin Bryanna Jenkins ihre Unterstützung für die Demokraten mit einer Wahlstrategie statt mit Vertrauen. Avery Belyeu, Leiterin des LGBT-Gemeindezentrums Montrose Center in Houston, beurteilt Senatskandidat James Talarico positiver: Sie verweist auf seine bisherige Unterstützung für transgeschlechtliche Menschen und hält den Zugang zu medizinischer Versorgung und Änderungen von Ausweisdokumenten für dringlicher als die Sportdebatte.
Das Thema nimmt in der Wahlwerbung viel Raum ein. Nach Schätzungen von AdImpact, die Associated Press veröffentlichte, hatten Republikaner bis zum 25. Oktober rund 183 Millionen Dollar für Fernsehspots ausgegeben, die Demokraten wegen transgenderbezogener Themen angreifen. Demokraten gaben rund 11 Millionen Dollar für Spots zu dem Thema aus, überwiegend als Reaktion darauf.
Uránia hat bereits über den Werbespot von Annie Andrews und die Reaktionen auf ihre Aussagen berichtet.


