US-Archiv QZAP bewahrt und digitalisiert unabhängige LGBT-Zines

In Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin sammelt das Queer Zine Archive Project (QZAP) LGBT-Publikationen mit kleiner Auflage und stellt digitale Kopien frei zur Verfügung. Über das Archiv, das persönliche Geschichten, Kunst und politische Debatten vergangener Jahrzehnte bewahrt, berichtete LGBTQ Nation am 24. Oktober.
Milo Miller und Christopher Wilde gründeten das Projekt im November 2003. Laut den Bibliotheken der University of North Texas entstand die Idee aus ihren eigenen Sammlungen. Ein Zine ist eine kleine, von den Autoren selbst herausgegebene Zeitschrift oder Broschüre, häufig mit fotokopierten und von Hand gehefteten Seiten. Solche Hefte wurden im Freundeskreis, bei Konzerten und über unabhängige Buchläden verbreitet.
Im digitalen Katalog von QZAP lässt sich nach Titel, Thema, Erscheinungsjahr und -ort suchen. Verfügbare Kopien können gelesen und heruntergeladen werden. Die Zines behandeln Musik, Beziehungen, sexuelle Gesundheit, HIV/Aids, Kunst und Politik. Sie bewahren die Ansichten und die Sprache ihrer Zeit, einschließlich expliziter Texte und Bilder.
Ein Beispiel ist die zweite Ausgabe von Going Homo, die Stephen Dedalus 1993 zusammenstellte. Ihre 24 Seiten enthalten Leserbriefe, Musik- und Zine-Rezensionen, persönliche Berichte, Zeichnungen und politische Diskussionen. Ein Thema ist der Dienst schwuler Männer im US-Militär: Ein Autor wandte sich bereits gegen das Ziel, innerhalb der Streitkräfte Gleichberechtigung zu erreichen. Das Heft zeigt, wie unterschiedliche politische Positionen in LGBT-Kreisen diskutiert und infrage gestellt wurden.
Das Archiv bewahrt auch Papieroriginale auf. Im Dezember 2025 meldete das Team mehr als 4000 Zines in der Sammlung und Platzmangel. Diese Zahl bezieht sich auf den gesamten Bestand und nicht auf die digitalisierten Ausgaben. Nach dem erklärten Ziel von QZAP soll das Bewahren früherer Publikationen auch neue Autoren zur Herstellung eigener Zines ermutigen.
Uránia berichtete zuvor über die Digitalisierung von Dragazine. Die Zeitschrift erschien von 1991 bis 1997 in Los Angeles und dokumentierte die Drag-Szene vor ihrer breiteren Präsenz im Fernsehen.


