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Anwälte des türkischen LGBT-Vereins Kaos GL: Noch keine Anklageschrift vorbereitet

Die Anwälte des türkischen LGBT-Vereins Kaos GL erklärten am 22. Oktober 2026 in Ankara, im Fall der inhaftierten Vereinsvertreter, Menschenrechtsverteidiger und Journalistin Tuğba Tekerek sei noch keine Anklageschrift vorbereitet worden. Die Pressekonferenz fand beim Ankaraer Zweig des Menschenrechtsvereins İHD statt; den Erklärungstext veröffentlichte ÜniKuir.

Der türkische Anwalt Kerem Dikmen verlas die Erklärung. Seit Beginn der Operation „Meine Familie ist sicher“ (Ailem Güvende) am 12. September seien mehr als 40 Tage vergangen. Nach Darstellung der Verteidigung wurden journalistische Beiträge und Social-Media-Veröffentlichungen von Kaos GL zur Begründung der Haft herangezogen. Bei Vernehmungen sei auch nach den Finanzierungsquellen des Vereins gefragt worden, die die Anwälte als legal bezeichnen.

Die Verteidigung forderte die Freilassung ihrer Mandanten und die Einstellung der Ermittlungen. Sollte die Staatsanwaltschaft das Verfahren nicht einstellen, müsse sie unverzüglich eine Anklageschrift vorbereiten, damit sich die Inhaftierten verteidigen könnten. Die Anwälte betonten zudem, die Tätigkeit in Leitungs- oder Aufsichtsgremien eines Vereins begründe für sich keine persönliche strafrechtliche Verantwortung.

Laut Bianet beklagten die Anwälte die Isolation ihrer Mandanten im Gefängniskomplex Sincan sowie Schwierigkeiten beim Zugang zu medizinischer Versorgung und Hormontherapie für transgeschlechtliche Gefangene. Diese Angaben wurden als Vorwürfe der Verteidigung wiedergegeben.

Medyascope hatte zuvor berichtet, ein Gericht in Ankara habe die Untersuchungshaft mit dem Verdacht von Verstößen gegen das Vereinsgesetz, der Förderung der Verbreitung obszönen Materials und dessen Zugänglichkeit für Kinder begründet. Die Anwälte bestreiten diese Gründe. Die genannten Quellen veröffentlichen keine neue Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zur Erklärung vom 22. Oktober.

Uránia berichtete bereits über den Besuch der türkischen Abgeordneten Sevilay Çelenk bei inhaftierten Angehörigen der LGBT-Bewegung in Sincan. Zu ihren Gesprächspartnern am 17.–18. Oktober gehörten Vertreter von Kaos GL und Tuğba Tekerek.

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