Brasiliens LGBT-Kandidaten der Mitte und der Rechten sind vor der Stichwahl gespalten
Brasilianische LGBT-Kandidaten aus Parteien der Mitte und der Rechten unterstützen unterschiedliche Bewerber in der Präsidentschaftsstichwahl; einige sind noch unentschlossen. Folha de S.Paulo veröffentlichte ihre Interviews am 22. Oktober 2026. Wie der brasilianische Senat mitteilte, treten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Senator Flávio Bolsonaro am 25. Oktober gegeneinander an.
João Pedro Sastre von der Brasilianischen Demokratischen Bewegung (MDB), der in São Paulo als „rechter Schwuler“ kandidierte, unterstützt Lula. Estado de Minas berichtete darüber bereits am 6. Oktober. Im neuen Interview hielt er an seiner rechten Selbstverortung fest und erklärte seine Wahl mit der Enttäuschung über die Unterstützung seiner Kampagne aus Bolsonaros Lager.
Unternehmer Gabriel Carvalho von Missão im Bundesstaat Ceará hat sich noch nicht entschieden. Er kritisiert die Darstellung von LGBT-Menschen als Opfer und verbindet geringere Schwierigkeiten im eigenen Leben mit besseren finanziellen Verhältnissen. Lucas Pellegatta von der Liberalen Partei (PL) in Bahia unterstützt Flávio Bolsonaro und lehnt die Abhängigkeit von Sozialleistungen ab.
Die trans Kandidatin der PL in São Paulo, Sophia Barclay, unterstützt ebenfalls Bolsonaro. Leonora Rosa von Progressistas (PP) in Minas Gerais ist unentschlossen und bezweifelt die praktischen Erfolge der Regierung Lula für trans Menschen. Auch der Zentrist William Callegaro von der Sozialdemokratischen Partei (PSD) in São Paulo hat sich nicht entschieden: LGBT-Rechte und eine Reform des Obersten Bundesgerichts hält er für vereinbar.
Laut Folhas Analyse gewann keiner der 26 erfassten LGBT-Kandidaten für die föderale Abgeordnetenkammer aus Parteien, die das Blatt der Mitte oder der Rechten zuordnet, ein Mandat. Die Zeitung nutzte Daten von VoteLGBT. Das Projekt des Instituts Plena Cidadania erhebt selbst angegebene Daten bei freiwilliger Teilnahme; die Liste erfasst daher nicht zwangsläufig alle LGBT-Kandidaturen.
Uránia berichtete bereits über LGBT-Kandidaten verschiedener Parteien bei den allgemeinen Wahlen in Brasilien und die Methodik ihrer zivilgesellschaftlichen Erfassung.


