Kolumnist des LGBT-Mediums Xtra widerspricht Berichten über starken Rückgang queerer Jugendlicher in den USA
James Factora, Autor des kanadischen LGBT-Mediums Xtra, widersprach am 22. Oktober 2026 der These eines starken Rückgangs queerer Jugendlicher in den USA. In einer Meinungskolumne vermutete er, dass ein geringerer Anteil von Schülern, die sich als lesbisch, schwul oder bisexuell bezeichnen, sowohl veränderte Selbstbezeichnungen als auch Vorsicht bei Antworten an staatliche Stellen widerspiegeln könnte.
Anlass war eine Analyse der Psychologieprofessorin Jean Twenge von der San Diego State University, die am 28. September erschien. Nach ihren Berechnungen anhand der schulischen YRBS-Befragung sank die LGB-Identifikation in der neunten Klasse, gewöhnlich im Alter von 14–15 Jahren, von 17 % im Jahr 2023 auf 11 % im Jahr 2025. In der zwölften Klasse war die Veränderung geringer: von 18 % auf 16 %.
Twenge berechnete diese Anteile ausschließlich unter Befragten, die heterosexuell, schwul beziehungsweise lesbisch oder bisexuell auswählten. Andere Identitäten, Unentschlossene und Personen, die die Frage nicht verstanden, wurden ausgeschlossen. Der Wert beschreibt die sexuelle Selbstidentifikation und nicht die gesamte LGBT-Gruppe. Die US-Gesundheitsbehörde CDC erläutert, dass eine 2023 enthaltene Frage zur trans Identität 2025 entfernt wurde.
Twenge berichtete auch über einen Rückgang des Anteils sexuell aktiver Schülerinnen, die gleichgeschlechtliche Kontakte angaben. Zugleich räumte sie ein, in den vollständigen Daten für 2025 keinen vergleichbaren Rückgang der Identifikation bei Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren gefunden zu haben. Die Gründe für die Veränderungen bei jüngeren Jugendlichen seien unbekannt.
Eine alternative Analyse des Newsletters Outsourced betrachtete Schülerinnen aller Altersgruppen, die sexuelle Kontakte mit Männern und Frauen angaben. In dieser Untergruppe stieg die lesbische Identifikation von 2,4 % im Jahr 2021 auf 6,1 % im Jahr 2025. Die Stichprobe von 2025 umfasste jedoch nur 271 entsprechende Beobachtungen; die statistische Signifikanz des Unterschieds wurde nicht geprüft. Diese Berechnung beschreibt eine eigene Untergruppe.
Factora brachte eine mögliche Zurückhaltung bei Antworten mit dem politischen Klima rund um LGBT in den USA in Verbindung. Die Vergleiche belegen den Einfluss dieses Faktors nicht. Nach Angaben der CDC ist die Teilnahme an YRBS freiwillig und anonym; Daten, mit denen sich einzelne Schüler identifizieren lassen, werden nicht erhoben.
Die CDC erklärt außerdem, dass die nationale Stichprobe unabhängig von Befragungen einzelner Bundesstaaten und örtlicher Schulbezirke gezogen wird. Wenn ein Staat keine eigene Erhebung durchführt, schließt das seine Schüler daher nicht automatisch aus der nationalen Untersuchung aus. In jedem Zyklus wird eine neue Stichprobe gezogen; Veränderungen der Identität derselben Jugendlichen werden nicht verfolgt.
Urania berichtete bereits über die ersten Veröffentlichungen zur rückläufigen LGB-Identifikation amerikanischer Schüler anhand dieser Daten.


