US-Studie zu LGBT-Jugendlichen: weniger Selbstverletzungen, mehr Angstsymptome
Die US-Organisation The Trevor Project, die sich der Suizidprävention bei jungen LGBT-Menschen widmet, veröffentlichte am 20. Oktober 2026 Zweijahresergebnisse von Project SPARK. In der beobachteten Gruppe sank der Anteil mit Angaben zu Selbstverletzungen und Suizidversuchen, während der Anteil mit Angst- und Depressionssymptomen stieg.
Laut der Studienbeschreibung wurden 1689 in den USA lebende Personen aufgenommen, die bei Studienbeginn 13–24 Jahre alt waren. Von September 2023 bis März 2026 fanden fünf Befragungswellen in etwa halbjährlichen Abständen statt. 53 Prozent bezeichneten sich als transgeschlechtlich, nichtbinär oder hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität noch suchend. Die Studie beschränkte sich nicht auf transgeschlechtliche junge Menschen.
In den Ergebnissen zur psychischen Gesundheit sank der Anteil mit berichteten Selbstverletzungen im Vorjahr von 39 auf 34 Prozent, bei Suizidversuchen von 9 auf 7 Prozent. Angstsymptome wurden zu Beginn bei 54 und nach zwei Jahren bei 63 Prozent erfasst, Depressionssymptome bei 43 beziehungsweise 51 Prozent. Suizidgedanken veränderten sich von 38 auf 40 Prozent; der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Symptome wurden anhand von Fragebögen und nicht anhand klinischer Diagnosen erfasst.
In den statistischen Modellen war familiäre Unterstützung mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Selbstverletzungen und Suizidgedanken verbunden, Diskriminierung und Wohnungslosigkeit dagegen mit schlechteren Werten. Berücksichtigt wurden Alter, sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität, rassische Zuordnung und ethnische Herkunft. Solche Zusammenhänge allein belegen keine Kausalität.
Bei transgeschlechtlichen, nichtbinären und hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität suchenden Teilnehmenden stieg der Anteil mit dem Wunsch nach Hormonen von 59 auf 71 Prozent. Unter denjenigen, die diese Behandlung wünschten, stieg der Zugang von 34 auf 62 Prozent — eine andere Kennzahl. Am Ende hatten 73 Prozent der Erwachsenen und 33 Prozent der Minderjährigen mit entsprechendem Wunsch Zugang. Die Autoren betonen, dass die Teilnehmenden während der Studie älter wurden.
Die Rekrutierung erfolgte über Werbung in sozialen Netzwerken: Die Stichprobe ist weder zufällig noch repräsentativ für alle jungen LGBT-Menschen in den USA. Einige Befragte schieden aus, was die beobachteten Veränderungen beeinflusst haben könnte. Wegen der geringen Zahl an Suizidversuchen konnten die entsprechenden Modelle nicht zuverlässig geschätzt werden; dazu werden beschreibende Prozentwerte angegeben. Die Studie belegt nicht, dass eine bestimmte Behandlung oder politische Entscheidung die Veränderungen verursacht hat.
Ronita Nath, Vizepräsidentin für Forschung bei The Trevor Project, nannte familiäre Akzeptanz und den Zugang zu Versorgung wichtige Formen der Unterstützung. Die Organisation setzt die Beobachtung fort und plant weitere Analysen langfristiger Veränderungen.
Uránia berichtete bereits über Pläne der Stadt New York, gemeinnützigen Organisationen rund 9 Millionen Dollar für die Gesundheitsversorgung transgeschlechtlicher Jugendlicher bereitzustellen.


