LGBT-Aktivisten in Haiti besorgt über Änderungen am Wahlzeitplan
LGBT-Aktivisten in Haiti befürchten, dass Änderungen am Wahlkalender die politische Unsicherheit im Land verlängern. Über ihre Reaktionen berichtete Erasing 76 Crimes am 20. Oktober 2026. Sie fordern klare Fristen und transparente Vorbereitungen der Abstimmung.
Haitis vorläufiger Wahlrat (CEP) verlängerte in einer Erklärung vom 5. Oktober die Online-Registrierung von Kandidaten und die Einreichung von Unterlagen bis zum 31. Oktober. Zur Begründung verwies er auf Beratungen mit politischen Gruppen und vom Ministerrat beschlossene Änderungen des Wahldekrets. Der Wahlkampfzeitraum wurde verschoben; neue Termine für Beginn und Ende sollen in einem aktualisierten Kalender bekannt gegeben werden. Die Wählerregistrierung läuft weiter.
Übersetzung des CEP-Beitrags: „Verlängerung der Frist für die Online-Registrierung von Kandidaten und Anpassung einzelner Fristen im Wahlprozess.“
Der Kalender vom Juli sah die erste Runde der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen für den 13. Dezember 2026 und die zweite für den 21. Februar 2027 vor. Die CEP-Erklärung legt jedoch keinen neuen Wahltag fest. Wie The Haitian Times erläutert, hat der Rat den Wahlkampf verschoben, den Termin der ersten Runde aber nicht offiziell ersetzt.
Der LGBT-Aktivist Merlin Jean aus Ouanaminthe im Nordosten Haitis sagte Erasing 76 Crimes, er verstehe die Sicherheitsprobleme, halte einen unbegrenzten Aufschub der Wahlen jedoch für untragbar. Änderungen müssten seiner Ansicht nach mit einem realistischen Zeitplan, konkreten Zusagen und Transparenzgarantien einhergehen. Die Bevölkerung brauche Sicherheit und legitime Vertreter.
Ein weiterer LGBT-Aktivist, Johnny Clergé aus der Hauptstadt Port-au-Prince, äußerte Sorge vor weiterer Instabilität. Ein möglicher Rücktritt des haitischen Premierministers Alix Didier Fils-Aimé könnte seiner Ansicht nach die Unsicherheit verschärfen. Clergé schlug außerdem vor, Diaspora und Zivilgesellschaft durch eine nationale Versammlung stärker in die Suche nach einem Ausweg aus der Krise einzubeziehen.
In einer am 19. Oktober veröffentlichten Mitteilung berichtete der CEP über Gespräche zu Wahlfristen und Sicherheit mit Vertretern des Integrierten Büros der Vereinten Nationen in Haiti (BINUH) und internationalen Partnern. Der Rat erklärte, die Unabhängigkeit und Transparenz des Verfahrens sowie die Teilnahme der Bürger an den Wahlen gewährleisten zu wollen.
In Haiti fanden seit 2016 keine landesweiten Wahlen statt. Die Vorbereitungen laufen vor dem Hintergrund politischer Streitigkeiten und der Gewalt bewaffneter Gruppen, die große Teile von Port-au-Prince kontrollieren.


