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In spanischer Exklave Ceuta geben rund 70 % der marokkanischen Asylsuchenden Homosexualität an

Grenzzaun zwischen der spanischen Exklave Ceuta und Marokko. Foto: Wikimedia Commons / Xemenendura (CC BY-SA 3.0)
Grenzzaun zwischen der spanischen Exklave Ceuta und Marokko. Foto: Wikimedia Commons / Xemenendura (CC BY-SA 3.0)

Mitte Oktober 2026 verzeichnete die spanische Nationalpolizei in der nordafrikanischen spanischen Exklave Ceuta eine deutliche Verschiebung bei den Asylanträgen: Rund 70 % der Asylsuchenden aus dem benachbarten Marokko berufen sich nunmehr primär auf ihre Zugehörigkeit zur LGBTQ+-Gemeinschaft und die Furcht vor strafrechtlicher Verfolgung wegen Homosexualität als Fluchtgrund.

Wie aus Recherchen der spanischen Tageszeitung ABC hervorgeht, setzte dieser Trendwechsel einige Wochen nach den Massenübertritten Ende Juli ein, bei denen Tausende Menschen die Grenze nach Ceuta überwunden hatten. Während im ersten Monat überwiegend wirtschaftliche Not und Arbeitslosigkeit als Einreisegründe genannt wurden, registrierten die Migrationsbehörden später einen sprunghaften Anstieg von Anträgen aufgrund sexueller Orientierung. Polizeikreise und Gewerkschaftsvertreter vermuten, dass die Antragsteller juristisch beraten werden und ihre Begründungen anpassen, da Artikel 489 des marokkanischen Strafgesetzbuches einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen mit sechs Monaten bis zu drei Jahren Haft bedroht, was grundsätzlich die Beantragung internationalen Schutzes nach EU-Recht ermöglicht.

Die spanischen Behörden stellen jedoch klar, dass eine bloße Erklärung zur sexuellen Orientierung keinen automatischen Schutzstatus begründet. Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska erklärte auf einer Pressekonferenz in Ceuta, dass die Prüfung durch das Büro für Asyl und Flüchtlinge (OAR) objektive, belastbare und überprüfbare Nachweise einer individuellen Verfolgungsgefahr verlangt. Die Polizeibehörden führen mit den Antragstellern umfangreiche, teils mehrseitige Befragungen durch, um die Glaubwürdigkeit der Angaben zu prüfen. Nach Angaben der Polizeigewerkschaft SUP wurden von knapp 1.200 erfassten Anträgen bis Mitte Oktober rund 700 entschieden, wobei die Ablehnungsquote bei marokkanischen Staatsangehörigen zwischen 90 % und 99 % liegt. Bislang wurden lediglich fünf Fälle bekannt, in denen Asyl konkret wegen Verfolgung aufgrund sexueller Orientierung bewilligt wurde.

Grenzkontrollpunkt El Tarajal zwischen dem spanischen Ceuta und Marokko. Foto: Wikimedia Commons / Xemenendura (CC BY-SA 4.0)

Eine Ablehnung leitet zwar ein behördliches Ausweisungsverfahren ein, führt jedoch nicht zur sofortigen Abschiebung, da den Betroffenen Rechtsmittel zustehen, etwa vor dem Nationalen Gerichtshof Spaniens (Audiencia Nacional), wenngleich nur ein geringer Anteil (rund 0,1 %) den Klageweg beschreitet. Während einige abgelehnte Antragsteller freiwillig nach Marokko zurückkehren, beobachten die Sicherheitsbehörden, dass viele die Aufnahmeeinrichtungen verlassen und im Stadtgebiet untertauchen, um einer drohenden Rückführung zu entgehen.

Die Lage in Ceuta sorgt in Spanien für anhaltende politische Auseinandersetzungen. Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte im September mit Blick auf die Grenzübertritte, die Migranten nicht als „Invasoren“ zu bezeichnen, da die Mehrheit „ein besseres Leben und Perspektiven suche“. Er plädierte für verstärkte Investitionen in Aufnahmeinfrastruktur und Kooperation mit Marokko anstelle einer militärischen Grenzreaktion, wie sie von den konservativen und rechten Oppositionsparteien Partido Popular und Vox ins Spiel gebracht worden war. Polizeigewerkschaften mahnten hingegen vor möglichem Asylmissbrauch, forderten zusätzliches Fachpersonal sowie schnellere Rückführungsverfahren und betonten, dass das Asylrecht jenen vorbehalten bleiben müsse, die tatsächlich Verfolgung erleiden.

Zuvor hatte Uránia über ein Urteil des Schweizer Bundesverwaltungsgerichts berichtet, das sich ebenfalls mit den gesetzlichen Beweisanforderungen für Verfolgung bei Asylanträgen aufgrund sexueller Orientierung befasste.

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