Nachrichten Kanada

Kanada: LGBT-Organisationen fordern 450 Millionen Dollar zur Verlängerung des Bundesaktionsplans

Centre-Block-Gebäude auf dem Parliament Hill in Ottawa. Foto: Ken Lund / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Centre-Block-Gebäude auf dem Parliament Hill in Ottawa. Foto: Ken Lund / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0

Mitte Oktober 2026 veranstaltete eine Koalition aus über 40 kanadischen 2SLGBTQIA+-Organisationen auf dem Parliament Hill in Ottawa einen gemeinsamen Aktionstag und eine Pressekonferenz. Die Interessengruppen forderten die Bundesregierung auf, im kommenden wirtschaftlichen Herbstbericht 450 Millionen kanadische Dollar (rund 330 Millionen US-Dollar) über einen Zeitraum von fünf Jahren bereitzustellen, um den bundesweiten 2SLGBTQI+-Aktionsplan fortzuführen und auszubauen.

Wie das kanadische Medium NOW Toronto berichtete, führten die Delegierten im Vorfeld der haushaltspolitischen Beratungen Gespräche mit Abgeordneten und Ministern. Das Bündnis, dem Gruppen wie Queer Momentum, Dignity Network Canada, Rainbow Railroad und Egale Canada angehören, dringt auf eine spürbare Aufstockung der Budgetmittel. Nach Angaben der Koalition werden die Gelder dringend benötigt, um Krisendienste abzusichern, LGBT-Geflüchtete zu unterstützen, Arbeitsmarktprogramme durchzuführen sowie Initiativen zur psychischen Gesundheit und zur Bekämpfung von Hasskriminalität zu finanzieren.

Zu den Rednern der Pressekonferenz zählten die Geschäftsführerin der Bürgerrechtsorganisation Queer Momentum, Fae Johnstone, und der Koordinator von TransAction Alberta, Rowan Venedam. Venedam thematisierte vor allem die Lage von Transgender-Personen in der Provinz Alberta, wo die Provinzregierung unter Premierministerin Danielle Smith Beschränkungen für geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen bei Minderjährigen eingeführt und Schulen verpflichtet hat, Eltern über Namens- oder Pronomenänderungen von Schülern zu informieren. Der Aktivist erklärte, diese Maßnahmen hätten zu Anfeindungen und zur Abwanderung von Betroffenen in andere Provinzen geführt. Der Vorstoß des Bündnisses wurde zudem vom unabhängigen Senator für Alberta, Kristopher Wells, unterstützt.

Die umfangreiche finanzielle Forderung stieß bei konservativen Kommentatoren und Oppositionspolitikern auf deutliche Kritik. In einem Bericht der britischen Tageszeitung Daily Mail sowie in Äußerungen kanadischer Beobachter wurde beanstandet, dass die Bereitstellung hunderter Millionen Steuerdollar für Lobby- und Aktivistengruppen angesichts des Bundeshaushaltsdefizits und steigender Lebenshaltungskosten verfehlt sei. Kritiker äußerten zudem Zweifel an der messbaren Wirkung früher geförderter Projekte und verwiesen auf die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung rund um Fragen der Geschlechtsidentität.

Bereits zuvor hatten staatliche Ausgaben für Gemeinschaftsinitiativen in Kanada parlamentarische Kontroversen ausgelöst. Im Frühjahr bezeichnete die Abgeordnete der Neuen Demokratischen Partei, Leah Gazan, Etatkürzungen bei Programmen für indigene Gemeinschaften als „herzlos“ und verwendete dabei das 16-Buchstaben-Akronym MMIWG2SLGBTQQIA+ („Vermisste und ermordete indigene Frauen, Mädchen und Two-Spirit-, lesbische, schwule, bisexuelle, Transgender-, Queer-, hinterfragende, intersexuelle und asexuelle Menschen“). Der Auftritt fand breite mediale Beachtung hinsichtlich behördlicher Begrifflichkeiten und staatlicher Fördermittel.

Der bundesweite 2SLGBTQI+-Aktionsplan war im August 2022 von der liberalen Regierung unter Premierminister Justin Trudeau mit einem Fünfjahresbudget von 100 Millionen kanadischen Dollar ins Leben gerufen worden. Da die aktuelle Förderperiode im März 2027 ausläuft, dringen die beteiligten Organisationen auf eine frühzeitige Bewilligung neuer Mittel im kommenden Haushaltszyklus.

Die Auseinandersetzungen um Geschlechterpolitik und Staatsausgaben fallen mit Provinzwahlen in mehreren Teilen des Landes zusammen. Zuvor hatten Diskussionen über schulische Inklusion und Elternrechte insbesondere das Bildungsprogramm SOGI 123 in British Columbia geprägt, während im August 2026 in Ottawa das nationale LGBTQ2+-Denkmal Thunderhead feierlich eingeweiht wurde.

Ähnliche Inhalte

Neueste Nachrichten

Russischer Duma-Abgeordneter Witali Milonow behauptet, Antidepressiva führten zu «Homosexualität» Großbritannien: Muslimischer Flügel der Grünen will Kritik an islamischen Frauen- und LGBT-Ansichten als Islamophobie einstufen In spanischer Exklave Ceuta geben rund 70 % der marokkanischen Asylsuchenden Homosexualität an