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Bericht: Diskriminierung und fehlende Rechte für LGBT+ kosten Japans Wirtschaft bis zu 16 Billionen Yen jährlich

Unternehmensstand von Sony auf dem Festival Tokyo Pride im Yoyogi-Park in Tokio. Foto: [Syced / Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sony_booth_at_Tokyo_Pride_2025.jpg) (CC0)
Unternehmensstand von Sony auf dem Festival Tokyo Pride im Yoyogi-Park in Tokio. Foto: [Syced / Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sony_booth_at_Tokyo_Pride_2025.jpg) (CC0)

Im Oktober 2026 veröffentlichte die internationale Unternehmenskoalition Open for Business eine analytische Kurzstudie mit dem Titel „Wirtschaftliche Argumente für die LGBTQ+-Inklusion in Japan“. Demnach kosten Diskriminierung und die unzureichende rechtliche Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Minderheiten die japanische Volkswirtschaft jährlich zwischen 6,04 und 16,42 Billionen Yen. Dies entspricht rund 37,3 bis 101,5 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 0,87 % bis 2,38 % des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) Japans.

Die Verfasser der Studie führen die finanziellen Einbußen auf zwei wesentliche Faktoren zurück: Produktivitätsverluste durch gesundheitliche Belastungen und das geschlechtsspezifische Lohngefälle im Berufsleben. Schätzungen zufolge entfallen jährlich 4,06 bis 12,17 Billionen Yen (25,1–75,1 Milliarden Dollar) auf vermeidbare Krankheitslasten, die durch Minderheitenstress und gesellschaftliche Ausgrenzung verstärkt werden. Hierzu zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen (2,67–8,01 Billionen Yen), Depressionen (1,03–3,08 Billionen Yen, was etwa einer Million zusätzlichen Fällen klinischer Depression entspricht), suizidales Verhalten und Selbstverletzungen (0,31–0,93 Billionen Yen) sowie Kosten für die Behandlung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Weitere 1,98 bis 4,25 Billionen Yen (12,3–26,3 Milliarden Dollar) gehen jährlich durch Lohnabschläge für LGBTQ+-Beschäftigte verloren, die laut OECD-Daten zwischen 7 % und 15 % betragen. Als besonders vulnerabel gelten trans Personen, die überproportional häufig in prekären und niedrig entlohnten Beschäftigungsverhältnissen tätig sind.

Wie die US-amerikanische Zeitung Washington Blade berichtet, fällt die Veröffentlichung des Berichts mit einer Verschärfung der demografischen Krise Japans zusammen. Prognosen des Nationalen Instituts für Bevölkerungs- und Sozialversicherungsforschung (NIPSSR) zufolge wird Japans Einwohnerzahl von 126,15 Millionen im Jahr 2020 auf unter 87 Millionen im Jahr 2070 schrumpfen. Vor dem Hintergrund einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung sind die Bindung von Fachkräften und die Steigerung der Arbeitsproduktivität von existenzieller wirtschaftlicher Bedeutung. Ken Janssens, Geschäftsführer von Open for Business, wies darauf hin, dass Japan weltweit auf Platz 14 bei der Attraktivität für Talente rangiert, jedoch nur auf Platz 55 bei deren Integration und praktischer Förderung, und betonte: „Unter diesen Vorzeichen kann es sich Japan schlichtweg nicht leisten, Talente zu vergeuden.“

Teilnehmende des Tokyo Pride
Teilnehmende des Festivals Tokyo Pride mit Regenbogenfahnen auf den Straßen Tokios. Foto: Syced / Wikimedia Commons (CC0)

Die Studie hebt die Diskrepanz zwischen Vorreiterunternehmen, gesellschaftlicher Stimmung und staatlicher Gesetzgebung hervor. Im PRIDE Index 2025, der betriebliche Vielfalt misst, erhielten 80 % der 931 bewerteten Unternehmen mit Hauptsitz in Japan die Bestnote „Gold“, und mehr als 700 Firmen haben sich öffentlich für die Öffnung der Ehe ausgesprochen. Der führende Wirtschaftsverband Keidanren forderte die Regierung wiederholt auf, ein gesetzliches Diskriminierungsverbot aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität (SOGI) einzuführen. Eine 2026 von der Agentur Dentsu unter mehr als 46.000 Bürgern durchgeführte Erhebung ergab, dass sich 10,6 % als LGBTQ+ identifizieren, 67 % die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare befürworten und 82 % Aufklärung über Vielfalt an Schulen unterstützen.

Dennoch ist Japan nach wie vor das einzige Mitglied der G7-Staaten ohne landesweite rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare. Kommunale Partnerschaftsurkunden erreichen zwar inzwischen fast 93 % der Bevölkerung, besitzen jedoch keine bindende Gesetzeskraft und gewähren keine Rechte bei Erbschaften, gemeinsamer Veranlagung, Sorgerecht oder medizinischen Notfallentscheidungen in Kliniken. Das 2023 verabschiedete Gesetz zur „Förderung des Verständnisses“ bleibt vage, und laut einer Umfrage der Organisation Nijiiro Diversity berichten 55 % der Arbeitnehmer, dass es an ihren Arbeitsplätzen an konkreten Schutzmaßnahmen fehlt.

Makiko Terahara, Co-Vorsitzende der Organisation Marriage for All Japan, erklärte, dass die Zahlen wirtschaftliche Schätzungen darstellen und Gesetzesänderungen allein nicht über Nacht alle Verluste beheben würden, Rechtssicherheit jedoch den chronischen Stress vieler Arbeitnehmer mindern und den Wirtschaftsstandort stärken würde. Akira Nishiyama von der Japanischen Allianz für LGBT-Gesetzgebung ergänzte, dass das Engagement der Wirtschaft allein nicht genüge, solange gesetzliche Verbote von Benachteiligungen bei Einstellung und Kündigung fehlen.

Gleichstellungsfragen für queere Menschen in Japan waren bereits zuvor Gegenstand von Gerichts- und Gesellschaftsdebatten: So erklärte der Obergerichtshof Osaka das Fehlen eines nicht-binären Eintrags im Familienregister Koseki für verfassungswidrig, während im Bildungswesen Erhebungen über geschlechtsneutrale Schuluniformen zur Entlastung von Jugendlichen durchgeführt wurden.

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