Taiwans queere Kirche Tong-Kwang bezieht neues Gemeindezentrum und betet um Versöhnung nach Razzia in Schwulenbar

Im Oktober 2026 hat die älteste LGBT-bejahende christliche Gemeinschaft Asiens, die presbyterianische Tong-Kwang-Gemeinde in Taiwans Hauptstadt Taipeh, ihren Umzug in ein neues Kirchenzentrum bekannt gegeben und zu einem feierlichen Dankgottesdienst eingeladen. Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens kündigte die Gemeinde zudem ihre Mitwirkung an der 24. Taiwan Pride an und nahm ein besonderes Fürbittgebet um Heilung und gesellschaftliche Versöhnung nach einer umstrittenen Polizeirazzia in der Schwulenbar Commander D in ihre Liturgie auf.
Laut dem offiziellen Sonntagsbulletin der Tong-Kwang-Kirche findet der Einweihungs- und Abendmahlsgottesdienst in den neuen Räumlichkeiten im Bezirk Songshan am 1. November 2026 statt. Im Rahmen des Herbstprogramms belebt die Gemeinde den historischen Jonathan-Bibelkreis zur Vertiefung queerer Theologie neu und unterstützt die 24. Taiwan Pride am 31. Oktober, die unter dem Motto „Gemeinsam zuhören, gemeinsam vorangehen“ steht. Der Gemeindevorstand verwies zugleich auf finanzielle Herausforderungen: Durch den Umzug und gestiegene Mietkosten bei leicht rückläufigen regelmäßigen Spenden ist der Haushalt angespannt.
Besondere Aufmerksamkeit widmete das Gemeindeblatt den gesellschaftlichen Spannungen vor dem Pride-Monat. Im Fürbittgebet bat die Gemeinde darum, dass Gott „die Schmerzen und Spaltungen lindern möge, die durch die Durchsuchung der Schwulenbar durch das Polizeirevier Wanhua entstanden sind“, und für ein Klima der Würde, des Respekts und des friedlichen Miteinanders aller Bürger.
Die presbyterianische Tong-Kwang-Kirche („Gemeinsames Licht“) wurde im Mai 1996 von Pastorin Yang Ya-hui gegründet. Sie gilt als erste offen queere Kirchengemeinde im chinesischsprachigen Raum und als Vorreiterin in Asien. Über drei Jahrzehnte hinweg engagierte sich die Gemeinde für die Rechte sexueller Minderheiten in religiösen Kreisen und trug wesentlich zur gesellschaftlichen Debatte bei, die 2019 zur historischen Öffnung der Ehe in Taiwan führte.
Zuvor berichtete Urania ausführlich über den Vorfall in Taipeh: Die Polizei führte eine Razzia in der Schwulenbar Commander D durch und nahm 51 Personen fest, was zu Protesten, Disziplinarmaßnahmen gegen sechs Beamte und einer öffentlichen Entschuldigung von Bürgermeister Chiang Wan-an führte. Zudem berichtete die Redaktion über Steuererleichterungen für gleichgeschlechtliche Paare in Taipeh.


