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Italienischer Rechtsabgeordneter Rossano Sasso fordert Sendeverbot für gleichgeschlechtliche Paare im Tages-TV, Moderator weist Angriffe als 'primitiv' zurück

Der Abgeordnete von Futuro Nazionale Rossano Sasso (links) und der Rai-2-Moderator Pierluigi Diaco (rechts). Foto: ANSA / Virgilio Notizie
Der Abgeordnete von Futuro Nazionale Rossano Sasso (links) und der Rai-2-Moderator Pierluigi Diaco (rechts). Foto: ANSA / Virgilio Notizie

Am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, entbrannte in Italien eine hitzige gesellschaftspolitische Auseinandersetzung über die Sichtbarkeit von LGBTQ+-Themen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Rossano Sasso, Abgeordneter der italienischen Abgeordnetenkammer für die rechte Partei Futuro Nazionale („Nationale Zukunft“), forderte in der bekannten Radiosendung La Zanzara auf Radio 24 ein vollständiges Verbot der Thematisierung gleichgeschlechtlicher Paare und eingetragener Partnerschaften im Tagesfernsehen zwischen 06:00 und 23:00 Uhr. Auslöser seiner Angriffe waren Schilderungen des offen schwulen Journalisten und Moderators Pierluigi Diaco, der im Nachmittagsprogramm BellaMa’ auf Rai 2 zuvor über seine eigene eingetragene Partnerschaft mit einem Journalistenkollegen gesprochen hatte.

Wie das italienische Nachrichtenportal Virgilio Notizie berichtete, verurteilte Sasso den Sendeinhalt scharf: „Man darf auf keinen Fall so über ein gleichgeschlechtliches Paar sprechen, wie Diaco es im Fernsehen zwischen 6 und 23 Uhr getan hat.“ Seine Forderung begründete der Politiker mit dem Schutz von Minderjährigen und erklärte, Kinder bräuchten „Klarheit und Verlässlichkeit, keine Rollenbilder, die das Fundament unserer Gesellschaft infrage stellen“. Sasso verlangte, der Staatssender Rai dürfe keine Inhalte ausstrahlen, die „zu sexueller Verwirrung und Identitätsverlust führen“, nannte die Aussage, zwei Männer könnten Kinder großziehen, „nicht normal“ und bezeichnete Pride-Paraden als „öffentliche Erregung von Ärgernis“, deren Teilnehmer von der Polizei kontrolliert und identifiziert werden sollten.

Moderator Pierluigi Diaco wies die politische Einmischung in einer Stellungnahme gegenüber der nationalen Nachrichtenagentur Adnkronos entschieden zurück und pochte auf die journalistische Unabhängigkeit. „Was im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in dem Zeitslot, in dem ich BellaMa’ auf Rai 2 moderiere, erlaubt ist oder nicht, entscheide ich als Autor und Moderator gemeinsam mit Programmdirektor Angelo Mellone im Rahmen der mit Rai-Geschäftsführer Giampaolo Rossi abgestimmten Richtlinien“, betonte Diaco. Er unterstrich, dass die Rundfunkanstalt frei sei und Moderatoren ausschließlich ihren redaktionellen Vorgesetzten verantwortlich seien, nicht politischen Parteien. Die Wortmeldungen der Partei bezeichnete Diaco als „primitive Äußerungen“ und fügte hinzu, dass das Maß nun voll sei und er sich künftig nicht mehr öffentlich mit Parteifunktionären streiten werde.

Sassos Vorstoß stieß auch im italienischen Regierungslager auf Widerspruch. Führende Politiker der Regierungskoalition verteidigten den Rundfunkmoderator. Maurizio Gasparri, Senator der Partei Forza Italia und Mitglied des Aufsichtsgremiums Vigilanza Rai, zeigte sich befremdet über die wiederholten Attacken gegen Diaco und hob den sachlichen und respektvollen Ton der Sendung BellaMa’ hervor. Die frühere Tourismusministerin Daniela Santanchè kritisierte die Aussagen des Abgeordneten als „schwerwiegend und homophob“ und betonte, die Gesellschaft bedürfe des Schutzes vor Diskriminierung und Vorurteilen, nicht einer Zensur gleichgeschlechtlicher Liebe.

Die Partei Futuro Nazionale wurde 2026 von dem pensionierten Fallschirmjäger-General und Europaabgeordneten Roberto Vannacci nach dessen Bruch mit der Lega ins Leben gerufen. Die Bewegung stützt ihr Profil auf einen radikalen Kulturkonservatismus, eine restriktive Migrationspolitik und den vehementen Kampf gegen Geschlechtervielfalt im öffentlichen Raum. Rossano Sasso, ehemaliger Staatssekretär im Bildungsministerium, zählt zu den profiliertesten Sprechern der Vannacci-Partei in Bildungs- und Kulturfragen.

Die Forderung nach Beschränkungen für sexuelle Minderheiten im Rundfunk deckt sich mit den Grundsatzpositionen der Vannacci-Bewegung. Zuvor hatte Urania ausführlich über das Zehn-Jahres-Manifest der Partei Futuro Nazionale berichtet, das bereits eine geschützte Sendezeit von 06:00 bis 23:00 Uhr mit einem Ausstrahlungsverbot für LGBT-Inhalte unter Androhung des Lizenzentzugs vorsah, sowie über die Bedenken italienischer Zentristen angesichts der zunehmenden Radikalisierung des rechten Flügels.

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