US-Bürgerrechtsorganisation Human Rights Campaign warnt Demokraten vor Zugeständnissen bei Transgender-Rechten

Anfang Oktober 2026 hat die Human Rights Campaign (HRC), die größte LGBTQ+-Bürgerrechtsorganisation der Vereinigten Staaten, die Kandidaten der Demokratischen Partei in Washington eindringlich davor gewarnt, im Vorfeld der Kongress-Zwischenwahlen im November konservative Rhetorik gegen transgeschlechtliche Menschen zu übernehmen. HRC-Präsidentin Kelley Robinson kündigte eine Rekordinvestition von 15 Millionen Dollar zur Unterstützung von Fürsprechern der Gleichberechtigung an, stellte jedoch klar, dass die Organisation keineswegs jeden demokratischen Bewerber automatisch unterstützen werde. Politiker, die bereit seien, auf Kosten von Minderheiten Zugeständnisse zu machen, erhielten keine Gelder.
Wie das amerikanische Fachmedium The Advocate berichtete, kritisierte Robinson bei einem Pressegespräch am Hauptsitz der HRC demokratische Kandidaten, die versuchen, Angriffe der Republikaner abzuwehren, indem sie Einschränkungen im Sport und beim Zugang zu geschlechtsangleichenden Therapien für Jugendliche befürworten. „Meine ehrliche Antwort lautet: Sie geben zu viel auf und bekommen zu wenig dafür“, erklärte Robinson. „Man muss niemanden aus unserer Gemeinschaft opfern, um Wahlen zu gewinnen.“ Nach Einschätzung der HRC stoppe das Nachgeben gegenüber konservativen Narrativen die Angriffe der Gegner nicht, demotiviere aber verlässliche LGBTQ+-Wähler. Als zentralen Fehler des Wahlkampfs von Vizepräsidentin Kamala Harris im Jahr 2024 bezeichnete Robinson das Ausbleiben direkter Erwiderungen auf millionenschwere Angriffsanzeigen: Bewerber müssten falschen Behauptungen selbstbewusst entgegentreten, Grundwerte verteidigen und das Gespräch auf drängende wirtschaftliche Fragen lenken.
Als Beispiel für die selektive Förderstrategie der Organisation nannte Robinson den Bundesstaat Ohio. Während die HRC die Kampagne des ehemaligen demokratischen Senators Sherrod Brown zur Rückgewinnung seines Senatssitzes finanziell unterstützt, verweigert sie zwei weiteren Spitzenkandidaten der Partei die Unterstützung: der Kongressabgeordneten Marcy Kaptur und der Gouverneurskandidatin Amy Acton. Nachdem Kaptur in einem Fernsehspot betont hatte, sie habe „gemeinsam mit den Republikanern gestimmt, um Transgender-Ideologie aus Schulen fernzuhalten“, erklärte Robinson, sie werde „keine Zeit mit der Abgeordneten verschwenden“. Man könne nicht gleichzeitig gegen die Rechte von Transgender-Personen sein und für Gleichberechtigung eintreten. Bei der Medizinerin Amy Acton stellte Robinson fest, diese habe sich „in ihren Botschaften verstrickt“.
Zeitgleich veröffentlichte die HRC Foundation die Ergebnisse ihrer jährlichen Gemeinschaftsumfrage für das Jahr 2026. Die Erhebung belegt eine hohe Wahlbereitschaft: 87 % der registrierten LGBTQ+-Wähler wollen im November sicher zur Wahl gehen, weitere 7,5 % halten ihre Teilnahme für wahrscheinlich. 73,7 % der Befragten nannten den Schutz von Bürgerrechten und Gleichbehandlung als eine ihrer drei wichtigsten Prioritäten bei der Stimmabgabe, gefolgt von wirtschaftlicher Stabilität, Inflation und Lebenshaltungskosten (35,9 %). Mehr als die Hälfte gab an, finanziell kaum über die Runden zu kommen, und 47,2 % berichteten von einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage im Vergleich zu vor zwei Jahren. Zudem äußerten 92 % der Befragten die Sorge, der Oberste Gerichtshof der USA könnte den Diskriminierungsschutz am Arbeitsplatz einschränken, und 85 % befürchten Einschnitte bei der Ehe für alle. Selbstkritisch räumte Robinson frühere Fehler der Bewegung ein und mahnte, man müsse geduldig auf die Fragen und Bedenken der Bevölkerung eingehen, statt sich belehrend zurückzuziehen.
Die 1980 gegründete Human Rights Campaign (HRC) ist mit mehr als drei Millionen Mitgliedern und Unterstützern die größte Organisation zur Durchsetzung der Bürgerrechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender-Personen in den USA. Die Organisation setzt sich für Bundesgesetze wie den Equality Act ein, erstellt Diversitätsberichte für Unternehmen und Kommunen und finanziert über ihr Political Action Committee (PAC) die Wahlkämpfe von Politikern, die sich für die Rechte der Gemeinschaft starkmachen.
Die Mahnungen der HRC verdeutlichen die wachsenden strategischen Spannungen innerhalb der US-Demokraten im Wahljahr 2026. Zuvor hatte Urania ausführlich darüber berichtet, wie sich die Demokraten im Mittleren Westen über die Transgender-Strategie im Wahlkampf entzweiten, beleuchtete die Kritik von Aktivisten an Bürgerrechtsgruppen wegen der Unterstützung konservativer Kandidaten, berichtete über die Zensurkrise im LGBTQ+-Caucus der Demokraten in Ohio und analysierte den Ausstieg von Arizona und Virginia aus der Medicaid-Kostenübernahme für Behandlungen von transgeschlechtlichen Jugendlichen.


