Katholische Diözese Bozen-Brixen in Norditalien unterstützt queere Gläubige und Familien beim Coming-out
Anfang Oktober 2026, anlässlich des internationalen Coming Out Day, hat die römisch-katholische Diözese Bozen-Brixen in Südtirol (Norditalien) die Arbeit ihres diözesanen Arbeitskreises „Glaube & Queer“ (fede & queer) vorgestellt. Die Initiative der diözesanen Pastoral widmet sich der Begleitung, dem Dialog und der Unterstützung queerer gläubiger Menschen und ihrer Angehörigen, um den Prozess des Coming-outs zu erleichtern, innere Spannungen zwischen Glaube und sexueller Orientierung zu lösen und die Würde der Gläubigen im kirchlichen Raum zu stärken.
Wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet, setzt sich der Arbeitskreis aus engagierten Laien und queeren Gläubigen zusammen. Vor dem Aktionstag am 11. Oktober schloss sich die Gruppe dem Oral-History-Projekt „Sempre qui. Storia queer dell’Alto Adige“ („Immer hier. Queere Geschichte Südtirols“) an, das von der Dokumentarfilmerin Martine De Biasi und der Sozialgenossenschaft Eklektika ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen dieses Projekts teilte Gruppenmitglied Toni Pramstaller seine Lebensgeschichte und sprach über die Überwindung von Schuldgefühlen sowie den Weg zu einer versöhnten Identität aus Glaube und Sexualität.
Renate Rottensteiner, Leiterin des Amts für Erwachsenenpastoral der Diözese Bozen-Brixen und Koordinatorin von „Glaube & Queer“, betonte gegenüber ANSA, die Kirche habe die Pflicht, queeren Menschen „jene Würde zurückzugeben, die wir ihnen in der Vergangenheit genommen haben“. Ein Coming-out betreffe immer das gesamte familiäre Umfeld: Während für viele junge Menschen die kirchliche Bindung nachlasse, bleibe der katholische Glaube für Eltern und Großeltern oft zentral. Angehörige bräuchten daher Orientierung und die unmissverständliche Botschaft, dass jeder Mensch von Gott bedingungslos geliebt wird. Rottensteiner verwies zudem auf den italienischen Synodalen Weg (2020–2025), dessen Beschlüsse alle Diözesen des Landes auffordern, Homophobie entschieden entgegenzutreten.
Die Diözese Bozen-Brixen umfasst die zweisprachige autonome Provinz Bozen-Südtirol. Der diözesane Arbeitskreis besteht seit 2021 (ursprünglich unter dem Namen „Glaube und Homosexualität“) und veranstaltet Wanderausstellungen sowie Gesprächsabende in Pfarreien. Im September 2026 nahmen Mitglieder der Gruppe an einem ersten nationalen Vernetzungstreffen in Rom teil, bei dem sich Seelsorger und pastorale Mitarbeiter für Regenbogenpastoral aus ganz Italien austauschten.
Die Annäherung zwischen katholischer Seelsorge und queeren Menschen in Italien wird von Urania aufmerksam begleitet. Zuvor berichtete das Magazin über den Appell des CEI-Vizepräsidenten Francesco Savino zur Anerkennung der Würde queerer Gläubiger, über eine Bußvigil in der Diözese Chiavari mit einer offiziellen Entschuldigung der Kirche gegenüber der LGBT-Gemeinschaft sowie über den offenen Dialog des Bischofs von Aversa mit Organisatoren einer regionalen Pride-Parade.


