US-Abgeordneter Derrick Van Orden hält ersten schwulen Präsidenten eher für einen Republikaner als einen Demokraten
Der republikanische Abgeordnete aus Wisconsin, Derrick Van Orden, hat in Washington erklärt, dass der erste offen schwule Präsident der Vereinigten Staaten „objektiv gesehen“ eher aus den Reihen der Republikaner als der Demokraten hervorgehen dürfte. Laut einem Bericht der Tageszeitung The Washington Times begründete der Kongressabgeordnete seine Einschätzung mit der Wählerstruktur beider Großparteien sowie den Herausforderungen der Demokraten bei religiös und sozial konservativ geprägten Minderheiten.
Auslöser der Debatte auf dem Capitol Hill waren jüngste Äußerungen des ehemaligen US-Verkehrsministers Pete Buttigieg in der NBC-Sendung „Meet the Press“. Der offen schwule Politiker, der als möglicher Präsidentschaftsbewerber der Demokraten für 2028 gilt, hatte dort bekräftigt, die amerikanische Bevölkerung sei bereit, die gläserne Decke zu durchbrechen und einen homosexuellen Staatschef zu wählen. Van Orden betonte dazu, dass die sexuelle Orientierung für seine persönliche Beurteilung von Fachkompetenz keine Rolle spiele, verwies jedoch auf die strategische Wählerarithmetik der Demokratischen Partei. Dieser fehle ohne die massive Unterstützung afroamerikanischer Wähler die Siegeschance, und gerade in diesem Wählersegment gebe es laut Umfragedaten nach wie vor spürbare Vorbehalte gegenüber homosexuellen Kandidaten.
Im Gegenzug hob der Abgeordnete aus Wisconsin die Kultur des konservativen Lagers hervor, die seiner Auffassung nach Qualifikation und Leistung über Identitätspolitik stelle. Als Beleg nannte Van Orden den US-Finanzminister Scott Bessent — den ersten offen schwulen Minister, der unter einer republikanischen Administration von Präsident Donald Trump vom Senat bestätigt wurde — und verwies zudem auf die Wahlempfehlung, die er selbst von der traditionsreichen Organisation schwuler und lesbischer Konservativer, den Log Cabin Republicans, erhalten hatte.
Die Thesen des Gesetzgebers stießen bei Wahlforschern und Analysten auf ein geteiltes Echo. Experten verweisen darauf, dass Buttigieg bei den demokratischen Vorwahlen 2020 nach frühen Erfolgen in Iowa in South Carolina vor allem am Mangel an Rückhalt bei schwarzen Wählern scheiterte und auch aktuelle Befragungen wie die des Emerson College auf Skepsis in Teilen der traditionellen Parteibasis hindeuten. Demgegenüber zeigen landesweite Umfragen des Instituts Gallup sowie Untersuchungen der Northwestern University, dass demokratische und unabhängige Wähler insgesamt deutlich aufgeschlossener gegenüber qualifizierten homosexuellen Kandidaten sind, während innerhalb der republikanischen Wählerschaft die sexuelle Orientierung weiterhin einen messbaren statistischen Nachteil darstellen kann.
Zuvor hatte Urania wiederholt über Entwicklungen im Umfeld von Personalentscheidungen in Washington berichtet, darunter über die Aussagen von Finanzminister Scott Bessent, der betonte, dass seine Ernennung ausschließlich auf Fachkompetenz beruhte, über die Wahlempfehlungen der Log Cabin Republicans für den Kongress sowie über die statutarische Neuausrichtung der Vereinigung auf die Rechte von Schwulen und Lesben.


