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Razzia in Schwulenbar in Taipeh: 51 Festnahmen führen zu LGBTQ+-Protesten und Entschuldigung des Bürgermeisters

Der regenbogenfarbene Fußgängerüberweg Rainbow Six im Bezirk Ximending in Taipeh. Foto: Mosbatho / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)
Der regenbogenfarbene Fußgängerüberweg Rainbow Six im Bezirk Ximending in Taipeh. Foto: Mosbatho / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Am Samstag, dem 3. Oktober 2026, führten Einsatzkräfte des Polizeireviers Wanhua in Taiwans Hauptstadt Taipeh eine überraschende Razzia in der Schwulenbar Commander D im Ausgehviertel Ximending durch. Die Beamten nahmen 51 Gäste zur Vernehmung mit auf die Wache und nahmen den Betreiber wegen des Verdachts auf Verstöße gegen die öffentliche Sittlichkeit fest. Wie das südafrikanische LGBTQ+-Nachrichtenportal MambaOnline unter Berufung auf Reuters berichtet, löste das Vorgehen der Sicherheitskräfte Straßenproteste aus und zog Disziplinarmaßnahmen gegen sechs Polizisten nach sich.

Nach Angaben der Polizeibehörde erfolgte die Durchsuchung mit richterlichem Beschluss nach Hinweisen auf mutmaßliche Verstöße gegen das Gesetz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, das Nacktheit und anstößiges Verhalten an öffentlichen Orten untersagt. Die Bar Commander D, die seit über 14 Jahren besteht und sich mit BDSM-Elementen an ein erwachsenes Publikum richtet, wies die Vorwürfe entschieden zurück. Die Betreiber betonten, dass am Einlass eine strikte Alterskontrolle stattfinde und private Interaktionen erwachsener Gäste weder vom Lokal organisiert noch gelenkt würden. Nach Polizeiangaben wurden am selben Nachmittag zwei weitere queere Lokale im Viertel überprüft.

Der Polizeieinsatz sorgte in der queeren Gemeinschaft Taiwans für erhebliche Empörung. Am Sonntag, dem 4. Oktober, protestierten rund 200 Demonstrierende vor der örtlichen Polizeiwache in Ximending. Ein Bündnis aus zehn Menschenrechtsorganisationen, darunter die Taiwan Tongzhi (LGBTQ+) Hotline Association, kritisierte in einer gemeinsamen Erklärung gravierende Verfahrensfehler, das verspätete Vorzeigen des Durchsuchungsbeschlusses, Handyverbote, das Zwingen der Gäste in die Hocke sowie diskriminierende Äußerungen, unter anderem gegenüber einer Person mit Behinderung. Die Initiativen forderten eine unabhängige Untersuchung und eine offizielle Entschuldigung.

Am Montag, dem 5. Oktober, gab der Polizeipräsident von Taipeh, Lin Yen-tien, Disziplinarstrafen gegen sechs Beamte bekannt: Vier Einsatzkräfte erhielten Rügen wegen unangemessener Wortwahl, der leitende Ermittler einen Verweis wegen mangelnder Aufsicht, und Revierleiter Chen Yung-hua bat um Selbstanzeige und erhielt zwei Verwarnungen. Taipehs Bürgermeister Chiang Wan-an entschuldigte sich öffentlich bei den Betroffenen. Fehlverhalten werde gründlich aufgearbeitet und die Dienstaufsicht gestärkt. Chiang unterstrich, Taipeh sei „stets eine vielfältige, offene und tolerante Stadt für alle Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung“.

Das Geschäftsviertel Ximending und der Vorplatz des historischen Roten Hauses (Red House) in Taipeh gelten als traditionsreiches Zentrum des queeren Nachtlebens der Insel. Taiwan gilt als Vorreiter für Bürgerrechte in Asien: 2019 legalisierte es als erstes Land der Region die gleichgeschlechtliche Ehe, und die jährliche Taiwan Pride zieht regelmäßig Zehntausende Besucher an.

Zuvor berichtete Urania über gesellschaftspolitische Entscheidungen in Taipeh, darunter über den Beschluss der Stadtverwaltung, gleichgeschlechtlichen Ehepaaren die gleichen regionalen Steuervergünstigungen wie heterosexuellen Familien zu gewähren.

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