Injizierbare HIV-Prävention soll in elf MENA-Ländern rund 40 Dollar kosten

Anfang Oktober 2026 wurde bekannt, dass ein neuartiges Injektionsmedikament zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP), das lediglich zwei Verabreichungen pro Jahr erfordert, in elf Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas (MENA) sowie in Afghanistan für etwa 40 US-Dollar jährlich erhältlich sein wird. Nach einem Bericht des Nahost-Magazins The New Arab hat der Entwickler des Wirkstoffs, das US-amerikanische Biopharmaunternehmen Gilead Sciences, freiwillige Lizenzvereinbarungen mit sechs Generikaherstellern abgeschlossen. Dies soll nach ersten Auslieferungen Ende 2026 ab 2027 eine breite und kostengünstige Versorgung ermöglichen.
Gegenstand der Vereinbarung ist der Wirkstoff Lenacapavir (in den USA zur Prävention unter dem Handelsnamen Yeztugo und zur Therapie als Sunlenca zugelassen), ein langwirksamer HIV-Kapsid-Inhibitor. Fachleute werten das Präparat als Meilenstein in der HIV-Prävention, da es die tägliche Einnahme oraler Tabletten (wie Tenofovir und Emtricitabin) durch zwei subkutane Injektionen im Abstand von sechs Monaten ersetzt. Die Preisunterschiede sind dabei gravierend: Während eine einjährige Behandlung mit Yeztugo in den Vereinigten Staaten rund 28.218 US-Dollar kostet, soll der Generikapreis in den 120 abgedeckten Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bei etwa 40 Dollar pro Person und Jahr liegen.
In der MENA-Region umfasst das Abkommen Afghanistan, Dschibuti, Ägypten, Libyen, Mauretanien, Marokko, Somalia, Sudan, Syrien, Tunesien und den Jemen. Das ägyptische Pharmaunternehmen Eva Pharma zählt neben indischen und internationalen Herstellern zu den sechs lizenzierten Generikaproduzenten. Gilead erklärte, die Auswahl der Länder orientiere sich an der HIV-Krankheitslast, der wirtschaftlichen Leistungskraft und der Möglichkeit, den größtmöglichen Nutzen für die öffentliche Gesundheit zu erzielen. Bis zur vollen Produktionsaufnahme der Generika plant Gilead, das Originalpräparat zum Selbstkostenpreis über Partnerschaften bereitzustellen, unter anderem mit dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, der bereits Pilotprojekte in 21 Ländern, darunter Marokko, unterstützt.
Gleichzeitig stieß die Vereinbarung auf deutliche Kritik der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins Sans Frontières, MSF). Gesundheitsexperten bemängeln, dass mehrere Länder mit mittlerem Einkommen in der Region – darunter Algerien, Jordanien, der Irak, der Libanon, Palästina und der Iran – von den Lizenzen ausgeschlossen wurden, sodass Gilead dort die Preise weiterhin selbst festlegt. Carlota Baptista, Leiterin des HIV-Programms bei MSF, betonte, diese geografische Spaltung schaffe Ungleichheiten in einer Region mit reger grenzüberschreitender Migration, und forderte Gilead auf, die gebührenfreien Lizenzen ausnahmslos auf alle Staaten auszuweiten.
Der Bedarf an wirksamen Schutzmaßnahmen im Nahen Osten und in Nordafrika gilt als besonders dringlich. Nach Angaben von UNAIDS stiegen die jährlichen HIV-Neuinfektionen in der MENA-Region zwischen 2010 und 2024 um 94 % – von rund 12.000 auf 23.000 Fälle –, während weltweit im gleichen Zeitraum ein Rückgang um etwa 40 % verzeichnet wurde. Zudem kennen nur rund 63 % der Betroffenen in der Region ihren HIV-Status, und weniger als die Hälfte erhält antiretrovirale Medikamente. UNAIDS verweist darauf, dass gesellschaftliche Stigmatisierung, rechtliche Diskriminierung und Kriminalisierung gefährdeter Gruppen, insbesondere von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), gravierende Hürden für den Zugang zum Gesundheitssystem darstellen. Eine halbjährliche Injektion bietet Betroffenen Diskretion und schützt vor Risiken, die mit dem täglichen Vorhalten von Medikamenten verbunden sein können.
Zuvor berichtete Urania ausführlich über die Einführung des langwirksamen injizierbaren PrEP-Wirkstoffs Lenacapavir in Mosambik sowie über die Übernahme der Telemedizin-Klinik Freddie durch die Dating-App Grindr zum Ausbau von PrEP-Angeboten.


