Drei Transfrauen in die brasilianische Abgeordnetenkammer gewählt, Erika Hilton bricht historischen Stimmenrekord

Am 4. Oktober 2026 wurde bei den Parlamentswahlen in Brasilien die 34-jährige Stadträtin von Natal, Thabatta Pimenta von der Grünen Partei, für den nordöstlichen Bundesstaat Rio Grande do Norte in die Abgeordnetenkammer des Nationalkongresses gewählt. Mit 92.743 Stimmen (4,71 % der gültigen Stimmen im Bundesstaat) ist sie die erste Transfrau (travesti) aus der Nordostregion Brasiliens, die je einen Sitz im Bundesparlament errungen hat.
Wie das US-Medium Washington Blade berichtet , wird Pimenta bei Beginn der neuen Legislaturperiode am 1. Februar 2027 auf zwei amtierende Trans-Abgeordnete treffen, die beide wiedergewählt wurden: Erika Hilton aus São Paulo und Duda Salabert aus Minas Gerais, beide von der linken Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL). Hilton erzielte dabei ein historisches Wahlergebnis: Mit 1.596.472 Stimmen erhielt sie mehr Stimmen als jemals eine Kandidatin für die Abgeordnetenkammer in der Geschichte Brasiliens. Im Bundesstaat São Paulo belegte Hilton den zweiten Platz hinter dem Kandidaten der rechten Liberalen Partei, Lucas Pavanato, der über 3 Millionen Stimmen verbuchen konnte. Salabert sicherte sich ihre Wiederwahl mit 215.192 Stimmen.
Nach Angaben der zivilgesellschaftlichen Organisation VoteLGBT, die den Wahlkampf begleitete, traten 2026 insgesamt 529 offen queere Kandidatinnen und Kandidaten an. Mehr als 30 von ihnen gewannen Mandate auf Bundes- oder Bundesstaatsebene. In die Abgeordnetenkammer zogen zudem offen bisexuelle Abgeordnete (darunter Guilherme Cortez, Dandara Tonatzin und Anielle Franco), schwule Politiker (wie der wiedergewählte Abgeordnete Fabio Félix und der Aktivist Rick Azevedo) sowie lesbische Vertreterinnen (darunter Daiana Santos, Rosa Amorim und Bella Gonçalves) ein. Einige profilierte LGBTIQ+-Politiker unterlagen hingegen: Der schwule Senator Fabiano Contarato verlor sein Mandat in Espírito Santo, die Stadträtin von Rio de Janeiro Mônica Benício verpasste den Einzug in den Senat und der frühere Abgeordnete Jean Wyllys scheiterte in São Paulo.
Auf Ebene der Bundesstaaten zogen mehr als 20 offen queere Abgeordnete in die jeweiligen Parlamente ein. Unter ihnen ist Natasha Ferreira von der Arbeiterpartei, die erste travesti, die in die gesetzgebende Versammlung von Rio Grande do Sul gewählt wurde. Das Gesamtergebnis spiegelt die starke gesellschaftliche und politische Polarisierung Brasiliens wider: Bei der zeitgleich abgehaltenen Präsidentschaftswahl zogen der amtierende Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva und der Senator der rechten Liberalen Partei, Flávio Bolsonaro, in die Stichwahl am 25. Oktober 2026 ein.
Thabatta Pimenta wurde in der Kleinstadt Carnaúba dos Dantas geboren und begann ihr Engagement als Radiomoderatorin und Aktivistin für die Rechte von Menschen mit Behinderungen, geprägt von der Pflege ihres an Zerebralparese erkrankten Bruders. 2020 zog sie in den Stadtrat ihrer Heimatgemeinde ein und wurde 2024 die erste Trans-Stadträtin in der Landeshauptstadt Natal.
Zuvor hatte «Urania» über das Antreten von mehr als 500 queeren Kandidierenden bei den brasilianischen Wahlen 2026 berichtet, die parlamentarischen Initiativen von Erika Hilton und Duda Salabert im Kongress vorgestellt und über einen überstandenen Anschlag auf Salabert in Minas Gerais informiert.


