Großbritannien: Grüne empfehlen Verzicht auf Begriffe „Mutter und Vater“ und „Homosexuelle“
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Anfang Oktober 2026 wurde im Vereinigten Königreich ein interner Sprachleitfaden für Mitglieder der Green Party of England and Wales (GPEW) bekannt. Das Dokument mit dem Titel Inclusive Terminology Guidance empfiehlt Parteimitgliedern, traditionelle Bezeichnungen wie „Mutter und Vater“ zugunsten von „Eltern und Betreuungspersonen“ zu vermeiden und auch auf Begriffe wie „Homosexuelle“ und „Transsexuelle“ zu verzichten, da diese nach Ansicht der Verfasser nicht-binäre Menschen ausschließen.
Über Familienbegriffe hinaus rät der Leitfaden von geschlechtsspezifischen Berufsbezeichnungen ab: Statt Begriffen wie „Vorsitzender“ (chairman) oder „Polizistin“ (policewoman) sollen neutrale Bezeichnungen wie chair und police officer verwendet werden. Der Leitfaden berührt zudem Alters- und Herkunftskategorien: Die Bezeichnung „ältere Menschen“ (elderly) wird als unangebracht eingestuft, ebenso wie das Akronym BAME (Schwarz, Asiatisch und ethnische Minderheiten), an dessen Stelle der Begriff „globale Mehrheit“ (global majority) empfohlen wird, um vielfältige Erfahrungen nicht unter einem Sammelbegriff einzuebnen. Zudem wird vor umgangssprachlichen Begriffen wie „Verrückter“ (nutter) oder „Irrsinniger“ (lunatic) gewarnt, da diese Stigmata rund um psychische Erkrankungen verstärkten.
Zwar hält der Leitfaden fest, dass gelegentliche Sprachfehler verzeihlich seien, sofern die aufrichtige Absicht zu einem inklusiven Miteinander bestehe, doch enthält er auch eine deutliche Warnung: Die vorsätzliche oder beharrliche Weigerung, die empfohlene Terminologie anzuwenden, könne als Belästigung (harassment) gewertet werden und verstoße damit gegen den Verhaltenskodex der Partei sowie das britische Gleichstellungsrecht. Wie der britische Sender LBC berichtete, wies ein Parteisprecher Zensurvorwürfe zurück: „Es handelt sich um ein bestehendes, standardmäßiges Schulungsmaterial zum Thema Gleichstellung, wie es in vielen Organisationen verwendet wird, die Inklusion ernst nehmen. Es ist eine Richtlinie und nichts weiter.“
Die Veröffentlichung stieß auf geteilte Reaktionen in der britischen Politik und Öffentlichkeit. Die Schriftstellerin J.K. Rowling spottete auf der Plattform X: „Als ältere Mutter von drei jungen Leuten, die ihr Geschlecht nicht gewechselt hat und viele Homosexuelle kennt, ist es meine körperlich fitte und sexuell bevorzugte Meinung, dass die Grünen zu völligen Spinnern mutieren.“ Der Parteivorsitzende der britischen Konservativen, Kevin Hollinrake, warf der Parteiführung vor, die Alltagssprache der Bürger reglementieren zu wollen und ideologische Debatten abseits der Lebenswirklichkeit der Menschen zu führen.
Die Green Party of England and Wales ist eine ökologische Partei, deren Ursprünge bis in die 1970er Jahre zurückreichen und die 1990 in ihrer heutigen Form gegründet wurde. Nach der Wahl von Zack Polanski zum Parteivorsitzenden im September 2025 verzeichnete die Partei einen starken Zuwachs an Mitgliedern aus dem linken Spektrum, zugleich verschärften sich jedoch interne Auseinandersetzungen über geschlechtliche Selbstbestimmung, Rechte von Frauen auf biologischer Basis und die Diskussionskultur.
Zuvor berichtete „Urania“ über die Präsenz der britischen Initiative LGB Alliance auf dem Parteitag der Konservativen, wo Aktivisten für biologisch begründete Rechte von Schwulen und Lesben eintraten, sowie über eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov zu gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber sexuellen Minderheiten.


