In Tasmanien entbrennt heftiger Streit über das Verbot von LGBT-Konversionstherapien

Anfang Oktober 2026 entbrannte im australischen Bundesstaat Tasmanien eine intensive politische und gesellschaftliche Debatte über einen Gesetzentwurf zum Verbot sogenannter Konversionspraktiken, die auf eine Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität von LGBT-Personen abzielen. Der von den Grünen ins Abgeordnetenhaus eingebrachte Entwurf soll nach der Wiederaufnahme der parlamentarischen Sitzungen am 27. Oktober 2026 im Detail beraten werden.
Der Gesetzentwurf Conversion Practices Prohibition Bill 2026 sieht Straftatbestände für erzwungene Konversionsbehandlungen vor und richtet ein zivilrechtliches Präventions- und Beschwerdeverfahren unter Aufsicht der Antidiskriminierungsbeauftragten von Tasmanien ein. Der liberale Premierminister des Bundesstaates, Jeremy Rockliff, stellte seinen Abgeordneten die Abstimmung frei (conscience vote); Rockliff befürwortet ein Verbot schädlicher Praktiken grundsätzlich, fordert jedoch gesetzliche Präzisierungen, während Polizeiminister Felix Ellis ankündigte, mit Blick auf Religionsfreiheit und elterliche Fürsorge mit Nein zu stimmen. Die oppositionelle Labor-Partei und fraktionslose Abgeordnete signalisierten Zustimmung.
Laut einer Stellungnahme des australischen Zweigs der Organisation LGB Alliance stieß die eingebrachte Gesetzesfassung auf Vorbehalte bei Therapeuten und Vertretern biologisch begründeter Schutzrechte. Die Organisation kritisierte, dass nach Abschluss der öffentlichen Anhörung eine fundamentale Neudefinition der „sexuellen Orientierung“ in das Antidiskriminierungsgesetz Tasmaniens eingefügt wurde: Die bisherige Definition (Anziehung zu Personen des anderen, gleichen oder beiderlei Geschlechts) wird durch eine Anziehung zu Personen „desselben, eines anderen oder mehrerer Gender“ ersetzt, ergänzt um Asexualität. Nach Ansicht der Organisation verdränge dies das biologische Geschlecht zugunsten von Geschlechtsidentitätskonzepten. Zudem bestehe Rechtsunsicherheit für Psychotherapeuten, Sozialarbeiter und Berater ohne Ahpra-Registrierung, denen bei offener, ergebnisoffener Ursachenforschung bei Jugendlichen Beschwerden Dritter drohen könnten.
Demgegenüber betonen die Grünen-Vorsitzende Rosalie Woodruff und der Abgeordnete Vica Bayley, der Entwurf basiere auf zweijährigen Vorarbeiten und einer Untersuchung des Tasmanian Law Reform Institute von 2022, die erhebliche psychische Schäden durch Konversionstherapien nachgewiesen habe. Befürworter heben hervor, dass gutgläubige medizinische Behandlungen, ergebnisoffene Identitätsfindung, Begleitung bei Detransitionen, familiäre Gespräche und religiöses Gebet ausdrücklich geschützt bleiben, wodurch Tasmanien zu den übrigen australischen Bundesstaaten aufschließen könne.
LGB Alliance Australia entstand als Ableger der in Großbritannien gegründeten Vereinigung, die sich für die Rechte von Schwulen, Lesben und Bisexuellen auf Grundlage des biologischen Geschlechts einsetzt und eine vorzeitige geschlechtsangleichende Medikation von Jugendlichen ablehnt.
Die juristische Ausgestaltung von Verboten sogenannter Konversionsbehandlungen führt international fortlaufend zu Kontroversen. Zuvor berichtete Urania über das Auftreten der LGB Alliance auf dem britischen Konservativen-Parteitag , die Debatten über Verbote von Konversionspraktiken in der Schweiz sowie australische Gerichtsentscheidungen zu geschützten Frauenräumen .


