Katholische Gemeinde im US-amerikanischen Syracuse wehrt sich gegen Bistums-Gruppe für LGBT Courage International

Ende September 2026 kam es in Syracuse im US-Bundesstaat New York zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen der Leitung des römisch-katholischen Bistums Syracuse und der Pfarrei Allerheiligen (All Saints Church). Anlass ist die Wiederbelebung einer lokalen Gruppe von Courage International, einer katholischen Initiative für Gläubige mit gleichgeschlechtlicher Neigung. Die Gemeinde Allerheiligen, die seit Jahren für ihre offene Seelsorge an LGBTQ+-Katholiken bekannt ist, hatte Bischof Douglas Lucia aufgefordert, der Gruppe die offizielle Anerkennung im Bistum zu verwehren.
Laut einem Bericht des Nachrichtenportals Central Current entschied sich die Bistumsleitung für den Neustart der Courage-Gruppe, die seit über zehn Jahren inaktiv war, nachdem Gemeindemitglieder um geistliche Begleitung für ein keusches Leben gebeten hatten. Die Initiative wird von Vizekanzler Pfarrer Chris Seibt geleitet. Obwohl Bischof Lucia im Frühjahr mit Vertretern der gemeindlichen LGBTQ+-Arbeitsgruppe zusammentraf, erteilte er schließlich die Genehmigung für die Wiederaufnahme, die zunächst über Einzelgespräche mit Priestern organisiert wird.
Gemeindemitglieder von Allerheiligen äußerten die Befürchtung, dass der Ansatz von Courage International queere Gläubige stigmatisiere und die Unterdrückung der eigenen Identität durch das Gelübde der Enthaltsamkeit fordere. Die Arbeitsgruppe sieht in dem Programm Parallelen zu sogenannten Konversionstherapien, die von medizinischen Fachgesellschaften verurteilt und im Bundesstaat New York gesetzlich verboten sind. Dies berge erhebliche psychische Risiken, insbesondere für junge LGBT-Menschen und deren Angehörige.
Bistumskanzlerin Danielle Cummings wies den Vorwurf der Konversionstherapie entschieden zurück. Sie betonte, dass Courage International eine rein freiwillige geistliche Begleitung für Katholiken darstelle, die ihr Leben nach der kirchlichen Morallehre ausrichten und sexuelle Enthaltsamkeit außerhalb der Ehe wahren möchten. Das Bistum hob hervor, dass niemand zur Teilnahme gedrängt werde und das Angebot auf reale seelsorgerische Anfragen aus verschiedenen Teilen der Diözese reagiere.
Die Pfarrei Allerheiligen in Syracuse entstand 2008 aus dem Zusammenschluss zweier Gemeinden und erwarb sich unter dem Leitspruch „Alle sind willkommen“ (All Are Welcome) einen Ruf für ihre Offenheit gegenüber Minderheiten, Einwanderern und Geflüchteten. Pfarrer Fred Daley, der sich 2004 öffentlich als schwuler Priester outete, setzt sich seit Jahrzehnten für die volle Teilhabe queerer Gläubiger ein. Die 1980 in New York von Pfarrer John Harvey gegründete Organisation Courage International umfasst weltweit mehr als 160 Gruppen und unterstützt Katholiken mit gleichgeschlechtlicher Anziehung durch Gebet, Gemeinschaft und das Einhalten kirchlicher Keuschheitsgebote.
Der Konflikt in Syracuse verdeutlicht die fortdauernde theologische Debatte in der katholischen Kirche über das Verhältnis von lehramtlicher Moral und pastoraler Zuwendung. Zuvor hatte «Urania» über einen Synodenbericht des Vatikans mit Stimmen verheirateter schwuler Katholiken und einer Kritik an Konversionstherapien berichtet, über den Rücktritt der langjährigen Leiterin der US-amerikanischen Organisation DignityUSA informiert und theologische Ansätze zur Homosexualität in der Schöpfungsordnung vorgestellt.


