Auf der Insel Mauritius fordern Menschenrechtler die Einführung der Ehe für alle

Anfang Oktober 2026 hat die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch das Parlament des ostafrikanischen Inselstaates Mauritius aufgefordert, gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich anzuerkennen. Auslöser des Appells war ein Bericht der Nationalen Menschenrechtskommission von Mauritius (NHRC), die feststellte, dass die Weigerung der Standesämter, solche Eheschließungen einzutragen, diskriminierend ist und keine rechtliche Grundlage im nationalen Recht hat.
Wie aus einer Mitteilung von Human Rights Watch auf dem Nachrichtenportal AllAfrica hervorgeht, prüfte die Kommission die Rechtslage nach Beschwerden zweier gleichgeschlechtlicher Paare, deren Eheschließung von den Behörden abgelehnt worden war. In öffentlichen Anhörungen schilderten Betroffene und Vertreter der LGBT-Gemeinschaft die Benachteiligungen im Alltag: fehlende gegenseitige Erbrechte, der Ausschluss von gemeinsamen Steuerveranlagungen, Visabeschränkungen für ausländische Partner und fehlende Befugnisse bei medizinischen Notfallentscheidungen in Krankenhäusern.
Die Kommission betonte, dass der mauritische Code Civil geschlechtsneutral gefasst sei und kein ausdrückliches Verbot der Ehe zwischen zwei Personen desselben Geschlechts enthalte. Ein Ausschluss verstoße gegen das verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot. Vor diesem Hintergrund empfahl die NHRC der Regierung, ein Gremium einzurichten, um gesetzliche Reformen zur rechtlichen Gleichstellung vorzubereiten. Human Rights Watch mahnte an, dass nun die Gesetzgeber die Initiative ergreifen müssten, um den rechtlichen Schutz verbindlich im Gesetz festzuschreiben.
In den vergangenen Jahren hat Mauritius seine Schutzgesetze für sexuelle Minderheiten schrittweise ausgebaut: 2008 wurde mit dem Equal Opportunities Act Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in den Bereichen Arbeit, Bildung und Wohnen untersagt, und im Oktober 2023 hob der Oberste Gerichtshof die koloniale Strafnorm gegen homosexuelle Handlungen auf. Südafrika ist bislang das einzige afrikanische Land mit vollständiger Eheöffnung, doch juristische Debatten über die rechtliche Anerkennung gewinnen auch in anderen Staaten der Region an Dynamik.
Die Nationale Menschenrechtskommission von Mauritius (NHRC) ist eine unabhängige staatliche Kontrollinstanz nach den UN-Pariser Prinzipien, die mit der Überwachung der Grundrechte, der Prüfung von Bürgerbeschwerden sowie der Beratung von Regierung und Parlament betraut ist.
Zuvor hatte Urania ausführlich über die nationale Kampagne für die Eheöffnung auf Mauritius berichtet, die von der Nichtregierungsorganisation OUT Moris nach der Veröffentlichung des Kommissionsberichts initiiert wurde. Zudem berichtete das Magazin über den Spitzenplatz von Kap Verde im regionalen Gleichstellungsindex sowie über Gerichtsverfahren zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare in Botsuana .


