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In Jerusalem greifen Vandalen eine LGBT-freundliche Reform-Synagoge an Jom Kippur an

Gebetssaal der Reformgemeinde Kol HaNeshama in Jerusalem. Foto: Pinhas stern / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Gebetssaal der Reformgemeinde Kol HaNeshama in Jerusalem. Foto: Pinhas stern / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ende September 2026 wurde die Synagoge der jüdischen Reformgemeinde Kol HaNeshama in Jerusalem im Vorfeld und während des Versöhnungstages Jom Kippur dreimal von Unbekannten angegriffen und schikaniert. Für die für ihre liberale Haltung und Unterstützung von LGBT-Rechten bekannte Gemeinde handelte es sich bereits um die fünfte feindselige Attacke innerhalb von rund einem Monat.

Nach einem Bericht der jüdischen Nachrichtenagentur JTA begannen die Vorfälle am Samstagabend, dem 19. September, kurz vor Beginn des Feiertags, als Unbekannte zerbrechliche Gegenstände durch ein Fenster warfen und das Fliegengitter beschädigten. In der Nacht zum Montag, dem 21. September, drang nach dem Kol-Nidre-Gottesdienst ein Einbrecher in das Gebäude ein, riss die dort angebrachte Regenbogenflagge herunter und zerstörte ein farbiges Schild mit dem biblischen Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Am Vormittag von Jom Kippur erschienen zwei Jugendliche mit einem großen Hund und verlangten spöttisch, eine Rabbinerin solle eine Bar Mizwa samt Tora-Lesung für das Tier abhalten; sie zogen erst ab, als Gemeindemitglieder mit der Polizei drohten.

Eingangsschild der Gemeinde Kol HaNeshama in der Ascher-Straße im Jerusalemer Viertel Baka. Foto: Pinhas stern / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Bereits im August und Anfang September war es zu ähnlichen Übergriffen gekommen: Unbekannte hatten ein Fenster eingeworfen, eine Regenbogenflagge gestohlen und an Rosch ha-Schana Gläubige unter homophoben Beschimpfungen mit Eiern beworfen. Die Gemeinde übergab Aufnahmen der Sicherheitskameras an die Ermittler. Die israelische Polizei leitete Untersuchungen ein, während israelische Medien über die Festnahme und Vernehmung dreier minderjähriger Verdächtiger berichteten.

Jerusalems Bürgermeister Moshe Lion sicherte dem leitenden Rabbiner Oded Mazor telefonisch Unterstützung zu, während Vizebürgermeister Yosi Havilio und Stadtrat Eran Ben Yehuda aus Solidarität am abschließenden Neila-Gottesdienst teilnahmen. Der Knesset-Abgeordnete der Demokraten und Reformrabbiner Gilad Kariv kritisierte scharf die Rhetorik ultraorthodoxer Politiker, die ein feindseliges Klima gegen das liberale Judentum schüre. Anna Kislanski, Geschäftsführerin der Bewegung für Reformjudentum in Israel, betonte, dass Einschüchterungen die Gemeinden nicht daran hindern würden, ihre Türen weiterhin für alle Menschen offen zu halten.

Die Gemeinde Kol HaNeshama im Viertel Baka ist die größte liberale Synagogengemeinde Jerusalems. Das Reformjudentum vertritt die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Gottesdienst, die volle Einbindung queerer Gläubiger und religiösen Pluralismus, was in Teilen der ultraorthodoxen Mehrheitsgesellschaft auf Ablehnung stößt.

Die Herausforderungen für die queere Gemeinschaft und liberale Einrichtungen im konservativ geprägten Jerusalem wurden bereits mehrfach von „Urania“ thematisiert, darunter bei der Berichterstattung über die Schließung der einzigen Schwulenbar Jerusalems sowie die politischen Weichenstellungen vor den Wahlen zur Knesset .

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