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Mehr als 500 offen LGBT Kandidierende treten bei Brasiliens Parlaments- und Präsidentschaftswahl an

Gebäude des brasilianischen Nationalkongresses in Brasília. Foto: [Jefferson Rudy / Agência Senado / Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fotos_produzidas_pelo_Senado_(52722654292).jpg) (CC BY 2.0)
Gebäude des brasilianischen Nationalkongresses in Brasília. Foto: [Jefferson Rudy / Agência Senado / Wikimedia Commons](https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fotos_produzidas_pelo_Senado_(52722654292).jpg) (CC BY 2.0)

Mehr als 500 offen LGBT Kandidierende treten bei den brasilianischen Wahlen am 4. Oktober an. Die Washington Blade berichtete von 529 Kandidaturen, während eine brasilianische Auswertung der am 24. September erhobenen VoteLGBT-Daten 526 zählte. Die Quellen erklären die Abweichung um drei Namen nicht; das zivilgesellschaftliche Register wird weiter aktualisiert und ist keine abschließende amtliche Statistik des Obersten Wahlgerichts Brasiliens.

Laut den von Pimenta Rosa veröffentlichten VoteLGBT-Daten stammen die Kandidierenden aus allen 27 Föderationseinheiten und 27 Parteien. Von 526 Personen bewerben sich 512 um Mandate in gesetzgebenden Körperschaften und 14 um Exekutivämter. Die größten Gruppen sind 266 Kandidierende für die Parlamente der Bundesstaaten und 217 für die föderale Abgeordnetenkammer.

Die Erhebung ordnet 417 Kandidaturen oder 79,28 Prozent linken Parteien zu, 56 rechten und 53 Parteien der Mitte. Offen LGBT Kandidierende sind damit in verschiedenen Teilen des politischen Spektrums vertreten, auch wenn eine klare Mehrheit für linke Parteien antritt.

Nach Angaben der Washington Blade sind 109 Kandidierende transgender oder travesti, eine in Brasilien verbreitete eigenständige soziale und politische Identität. Dazu gehören die amtierenden Bundesabgeordneten Erika Hilton und Duda Salabert. Der frühere Abgeordnete Jean Wyllys, der erste offen schwule Mann im brasilianischen Kongress, ist nach seiner Ausreise infolge von Drohungen zurückgekehrt und kandidiert erneut. Mônica Benício, die Witwe der ermordeten Stadträtin Marielle Franco, bewirbt sich um einen Senatssitz.

Die Kandidierenden setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Uédem Lima von der zentristischen Brasilianischen Demokratischen Bewegung nennt Bildung, Gesundheit, Klimapolitik und indigene Rechte. Mãe Kaká Garcia von der linken Partei Sozialismus und Freiheit konzentriert sich auf Gewalt, Rassismus und religiöse Intoleranz. Bruna Benavides, Präsidentin der Nationalen Vereinigung der Travestis und Transsexuellen, erklärte, trans Kandidierende arbeiteten über LGBT-Fragen hinaus auch zu Arbeit, öffentlicher Sicherheit, Umwelt und Ungleichheit.

Die Zählung von VoteLGBT beruht auf Selbstidentifikation und freiwilliger Teilnahme. Das Projekt des Instituts Plena Cidadania erfasst seit 2022 LGBT Kandidierende im ganzen Land, lädt sie zu Fragebögen ein und veröffentlicht Profile mit deren Zustimmung. Die Zahlen zeigen die ermittelte Repräsentation, umfassen aber nicht zwingend alle LGBT Personen auf den Stimmzetteln.

Nach Angaben des Obersten Wahlgerichts Brasiliens wählen 158,8 Millionen Wahlberechtigte am 4. Oktober den Präsidenten, Gouverneure, 54 Senatoren, 513 Bundesabgeordnete und 1.059 Abgeordnete der Bundesstaaten und des Bundesdistrikts. Nötige Stichwahlen um Präsidenten- und Gouverneursämter finden am 25. Oktober statt.

„Urania“ berichtete zuvor über den Wahlkampf der konservativen trans Kandidatin Sophia Barclay für die rechte Liberale Partei und über 150 Kandidierende verschiedener Parteien, die eine Charta der feministischen Organisation Matria unterzeichneten , deren Vorschläge trans Menschen in mehreren Bereichen beschränken würden.

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