25 afrikanische Religionsvertreter und Wissenschaftler fordern Moratorium für neue Strafmaßnahmen gegen LGBT-Personen
Fünfundzwanzig Religionsvertreter, Theologen, Wissenschaftler und Juristen aus Afrika und der afrikanischen Diaspora haben im September den Afrikanischen Demokratiepakt (African Democratic Covenant) vorgestellt. Sie forderten die Regierungen des Kontinents auf, Gesetze auszusetzen, die strafrechtliche Sanktionen für gleichgeschlechtliche Beziehungen und die Unterstützung von LGBT-Personen ausweiten. Über den Aufruf berichtete 263Chat am 30. September in einem von AllAfrica veröffentlichten Beitrag .
Der Pakt wurde bei einer virtuellen Veranstaltung der panafrikanischen Organisation Interconnected Justice (ICJUSTICE) präsentiert. Die Beteiligten streben ein Moratorium an, um eine öffentliche und verfassungsrechtliche Debatte zu ermöglichen. ICJUSTICE-Präsident Joseph Tolton, ein US-amerikanischer Bischof, ordnete die Initiative in ein breiteres Programm der „afrikanischen Rekonstruktion“ ein, das wirtschaftliche Souveränität, religiöse Selbstbestimmung, Verfassungspluralismus und Menschenwürde umfasse.
Zu den Rednern gehörten die südafrikanische anglikanische Priesterin Mpho Tutu van Furth und der frühere kenianische Oberste Richter Willy Mutunga. Tutu van Furth rief Religionsgemeinschaften dazu auf, gefährdete Menschen zu unterstützen und zugleich den Dialog mit afrikanischen Christen anderer theologischer Auffassungen fortzusetzen. Mutunga verwies auf kenianische Urteile zur Vereinigungsfreiheit und Nichtdiskriminierung. Die Organisatoren nannten auch den ghanaischen Kardinal Peter Turkson und den anglikanischen Erzbischof Cyril Kobina Ben-Smith als Befürworter von Aufklärung statt Kriminalisierung, betonten jedoch, dass keiner von beiden dem Pakt angehört oder ihn unterstützt hat.
Ein Schwerpunkt war Ghanas Gesetzesvorlage über sexuelle Menschenrechte und Familienwerte. Das Parlament verabschiedete sie am 29. Mai 2026, doch der Parlamentspräsident ordnete wegen Verfahrensmängeln eine erneute Beratung an. Nach Angaben der Ghana News Agency vertagte sich das Parlament am 31. Juli, ohne diese Beratung abzuschließen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war daher nicht bestätigt, dass die Vorlage dem Präsidenten zur Unterzeichnung zugeleitet worden war.
Der im Mai angenommene Text sah bis zu drei Jahre Haft für gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen und bis zu zehn Jahre für bestimmte Formen der „Förderung“ von LGBT-Aktivitäten vor. Befürworter erklären, die Vorlage schütze Familienwerte, kulturelle Normen und Kinder; sie wird von Vertretern beider großer Parteien und von Religionsgemeinschaften unterstützt. Die Autoren des Pakts argumentieren dagegen, weitergehende Strafen würden verfassungsmäßige Freiheiten beschneiden und könnten einen Präzedenzfall für umfassendere staatliche Kontrolle schaffen. Diese Bewertungen sind weiterhin Teil einer politischen und religiösen Kontroverse.
Wie Africa Ascendant Media berichtete , wollen die Organisatoren die Debatte auf einer Desmond-Tutu-Konferenz und beim Black Global Freedom Gathering fortsetzen. Bei der Vorstellung der Initiative lagen keine öffentlichen Reaktionen afrikanischer Regierungen vor.
„Urania“ berichtete bereits, dass das Menschenrechtsinstitut der Internationalen Anwaltsvereinigung Ghana aufforderte, die Vorlage nicht in Kraft zu setzen .


