Oral-History-Projekt der Anti-AIDS-Bewegung ACT UP feiert in New York 25-jähriges Bestehen
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Am 15. September 2026 versammelten sich Veteranen der Aktivistenbewegung ACT UP, Forschende und Historiker im Graduate Center der City University of New York (CUNY) in Manhattan, um das 25-jährige Bestehen des ACT UP Oral History Project zu würdigen. Die Initiative wurde vor einem Vierteljahrhundert ins Leben gerufen, um unzensierte Zeitzeugenberichte von Beteiligten am Kampf gegen die HIV/AIDS-Epidemie in den späten 1980er- und 1990er-Jahren in den USA zu dokumentieren und zu bewahren.
Wie das New Yorker Portal Gay City News berichtet, wurde das Projekt 2001 von der Schriftstellerin und Historikerin Sarah Schulman sowie dem Filmemacher Jim Hubbard initiiert. Zur Jahrtausendwende erkannten beide, dass die Geschichte des Graswurzelaktivismus angesichts des beginnenden Internetzeitalters und des Mangels an digitalisierten Quellen in Vergessenheit zu geraten drohte. In 18-jähriger Arbeit zeichnete das Team in Zusammenarbeit mit dem Kameramann James Wentzy 187 ausführliche Videointerviews mit Mitgliedern der New Yorker Sektion auf. Sämtliche Aufnahmen und vollständige Transkripte wurden unter actuporalhistory.org kostenlos und öffentlich zugänglich gemacht.
Bei der Jubiläumsveranstaltung unter der Leitung von Matt Brim, dem Direktor des Center for LGBTQ Studies (CLAGS), hob Schulman die internationale Resonanz des Online-Archivs hervor: Die Plattform verzeichnete über 14 Millionen Seitenaufrufe und mehr als 700.000 Downloads von Interviewtranskripten weltweit. Das gesammelte Material bildete die Grundlage für Hubbards Dokumentarfilm United in Anger: A History of ACT UP (2012) sowie für Schulmans umfassendes historisches Werk Let the Record Show: A Political History of ACT UP New York, 1987–1993 (2021). Im Rahmen der Veranstaltung wurden zudem historische Filmaufnahmen prägender Aktionen gezeigt, darunter der Protest „Stop the Church“ an der St. Patrick’s Cathedral im Jahr 1989.
Die Bewegung ACT UP (AIDS Coalition to Unleash Power) formierte sich im März 1987 in New York als Reaktion auf das staatliche Versagen und gesellschaftliche Schweigen während der Epidemie. Durch gewaltfreien zivilen Ungehorsam, Straßenblockaden und fundierte fachliche Interventionen bei Bundesbehörden wie FDA und NIH setzten die Aktivisten eine erhebliche Beschleunigung klinischer Studien, die Neudefinition von Diagnosekriterien und eine gerechtere Gesundheitspolitik durch.
Zuvor hatte „Uránia“ über die Veröffentlichung des Buches „The Fight of Our Lives“ von David Levithan und Gabriel Duckels berichtet, das die Geschichte der HIV-Krise in den USA und den Kampf der queeren Gemeinschaft gegen staatliche Ignoranz beleuchtet.


