UN-Sonderberichterstatterin rügt Russlands grenzüberschreitende Verfolgung von LGBT-Personen im Exil

Die UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in der Russischen Föderation, Mariana Katzarova, hat dem UN-Menschenrechtsrat in Genf ihren Jahresbericht vorgelegt. Darin prangert sie einen staatlich koordinierten Apparat transnationaler Repression gegen im Ausland lebende russische Staatsbürger an, darunter queere Menschen und Bürgerrechtsaktivisten. Über die Ergebnisse berichtete am 21. September 2026 die Zeitung Nowaja Gaseta Europa unter Berufung auf Dokumente des UN-Menschenrechtsrates .
Der Bericht mit dem Titel „Kein Ort zum Verstecken: Der Export der ‚Herrschaft der Angst‘ über Grenzen hinweg – Transnationale Repression der Russischen Föderation“ stellt fest, dass die Einschüchterung von Oppositionellen und Geflüchteten seit 2022 zu einer institutionalisierten Regierungsstrategie geworden ist. Anhand von fast 400 dokumentierten Vorfällen zwischen 2004 und 2026 wies Katzarova nach, dass sich die jährliche Zahl der Übergriffe verachtfacht hat. Als zentrale Instrumente führt der Bericht Urteile in Abwesenheit (Anstieg von 4 Fällen im Jahr 2022 auf 157 im Jahr 2025), die Zweckentfremdung von Interpol-Fahndungen und GUS-Haftbefehlen, digitale Ausspähung, Kontosperrungen über die Listen von Rosfinmonitoring sowie die Schikanierung von Verwandten in Russland an.
Besondere Aufmerksamkeit widmet der Bericht den Gefahren für queere Menschen im Exil. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs Russlands von Ende 2023, mit dem die „internationale LGBT-Bewegung“ als extremistisch eingestuft wurde, begründet demnach ein dauerhaftes Strafverfolgungsrisiko, das Betroffene auch im Ausland begleitet. Vor allem Menschen aus dem Nordkaukasus sind akuter Bedrohung ausgesetzt; der Bericht verweist auf Versuche, Geflüchtete über fingierte Strafverfahren nach Tschetschenien zurückzuzwingen. Namentlich erwähnt wird der Fall von Salman Mukajew, der Folterungen in Tschetschenien entkommen war, 2024 in Armenien aufgrund eines russischen Waffenverfahrens festgesetzt wurde und schließlich Asyl erhielt.
Katzarova mahnte die Staatengemeinschaft, das völkerrechtliche Non-Refoulement-Gebot strikt zu wahren, russische Auslieferungsersuchen genauestens auf politische Motive zu prüfen und eine völkerrechtlich bindende UN-Konvention gegen transnationale Repression zu erarbeiten. Die russische Führung ihrerseits erkennt das Mandat der UN-Sonderberichterstatterin weiterhin nicht an, bezeichnet es als politisch motivierte Einflussnahme, verweigert Katzarova die Einreise und weist Vorwürfe systematischer Menschenrechtsverstöße zurück.
Das Mandat der UN-Sonderberichterstatterin für Russland wurde 2022 geschaffen; die bulgarische Menschenrechtsexpertin Mariana Katzarova übt dieses Amt seit Mai 2023 aus. Zuvor hatte Uránia berichtet , dass russische LGBT-Gruppen wie Sphera und Coming Out gemeinsam mit internationalen Organisationen eine Verlängerung dieses Mandats gefordert hatten, um die unabhängige Dokumentation von Rechtsbrüchen fortzuführen.


