Meldungen über LGBT-Feindlichkeit im Internet steigen in brasilianischen Wahljahren drastisch an
Laut einer in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Revista GEMInIS veröffentlichten Studie nimmt die Zahl der gemeldeten Fälle von LGBT-Feindlichkeit im Internet in Brasilien in Jahren mit nationalen und kommunalen Wahlen deutlich zu. Die Autoren der Arbeit stützten sich auf Daten der brasilianischen gemeinnützigen Organisation SaferNet und des Bundesministeriums der Justiz (MPF).
Im Jahr 2018 stieg die Zahl der Meldungen über Hassreden gegen LGBT-Personen im Vergleich zum Vorjahr um 63,7 %. Im Jahr 2020 stieg dieser Wert um 92,3 % und im Jahr 2022 um 51,9 %. Insgesamt stieg die Zahl dieser Vorfälle zwischen 2018 und 2022 um 61 % und erreichte jährlich 6.829 gemeldete Fälle. Ein ähnlicher Trend während der Wahlperioden wurde auch in Bezug auf Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und religiöse Intoleranz festgestellt.
Forscher führen die Spitzen bei Hassreden auf Politiker und Influencer zurück, die Themen der „moralischen Bedrohung“ (wie Behauptungen über „Gender-Ideologie“ oder die Sexualisierung von Kindern) als Instrument zur gesellschaftlichen Polarisierung nutzen. Laut dem Soziologen Renato Contente maximiert dies die organische Reichweite in den sozialen Medien.
Darüber hinaus neigen Plattformalgorithmen dazu, Inhalte zu fördern, die Wut oder andere starke negative Emotionen hervorrufen, da dies die Einbindung des Publikums und folglich das Wachstum der Werbeeinnahmen fördert. Experten weisen darauf hin, dass die traditionelle Moderation aufgrund von Nutzerbeschwerden bei Wahlen oft ineffektiv ist, da die Inhalte es schaffen, viral zu gehen, bevor sie entfernt werden.


