Erzbischof von Neapel drängt die katholische Kirche, Transgender-Menschen nicht zu verurteilen, sondern zu begleiten
Kardinal Domenico Battaglia, der Erzbischof von Neapel (Italien), erklärte, dass die katholische Kirche ihre verurteilende Haltung gegenüber transgeschlechtlichen Menschen aufgeben und sie stattdessen auf ihrem Lebensweg begleiten sollte. Seine Überlegungen flossen in das Vorwort des Buches „Transgender-Personen: Wissenschaften, Theologien, Seelsorge“ (Persone transgender: Scienze, teologie, pastorali) ein, das im katholischen Queriniana-Verlag unter der Herausgeberschaft von Damiano Migliorini und dem Jesuitenpater Giuseppe Piva erschienen ist. Auszüge aus dem Text wurden am 4. September 2026 von der italienischen Nachrichtenagentur ANSA veröffentlicht und zudem auf der Website des katholischen LGBTQ-Dienstes des US-amerikanischen Priesters James Martin übernommen.
Laut Battaglia stellen die Themen Geschlechtsdysphorie, transgeschlechtliche Identität und Lebenserfahrungen, die nicht in traditionelle Modelle passen, ein „komplexes und heikles Thema“ dar, das tiefgreifende Fragen für die Kirche aufwirft. Der Kardinal forderte den Klerus auf, sich nicht mit Definitionen zu beeilen, sondern „in der Spannung der Suche zu bleiben“ und sich für respektvolles und aufmerksames Zuhören zu entscheiden. In seinem Text erwähnt der Prälat jüngere Dokumente des kirchlichen Lehramtes, wie die Erklärung Dignitas infinita, nicht direkt, sondern konzentriert sich ausschließlich auf den pastoralen Ansatz.
„Niemand ist aus dem Herzen Gottes ausgeschlossen“, betonte der Erzbischof. Er wies darauf hin, dass hinter allen Ideen immer reale Menschen stehen, denen man begegnen, die man anhören und die man mit „Zärtlichkeit und Fürsorge“ begleiten müsse.
Battaglia fügte hinzu, dass die Kirche heute „nicht so sehr Urteile als vielmehr Dialog“ und „nicht so sehr Meinungen als vielmehr Mitgefühl“ brauche. Nur auf dieser Grundlage könne eine wahre Pastoral aufgebaut werden, die Treue zum Evangelium und Nähe zur menschlichen Situation verbindet.


