Italienischer Priester Luca Lunardon veröffentlicht Buch über die pastorale Begleitung von LGBT-Katholiken
Der italienische Priester und Bioethik-Professor Luca Lunardon hat ein Buch mit dem Titel „Begegnungen, die verwandeln“ (Incontri che trasformano) veröffentlicht, das die pastorale Begleitung als gemeinsamen Weg zwischen der Kirche und den Gläubigen untersucht. In einem Interview mit New Ways Ministry am 13. August 2026 erklärte der Theologe, dass traditionelle Lehren oft im Widerspruch zu den gelebten Erfahrungen der Menschen stehen, insbesondere bei LGBT-Katholiken, unverheirateten Paaren, die zusammenleben, und solchen, die auf medizinisch unterstützte Fortpflanzung zurückgreifen.
Lunardon, der am Höheren Institut für Religionswissenschaften in Vicenza (Italien) und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom lehrt, betonte, dass sich Begleitung nicht auf die bloße Anwendung von Doktrinen reduzieren dürfe. Ihm zufolge erfordert dieser Prozess eine „gemeinsame Suche nach der Wahrheit“, die Bereitschaft, einander zuzuhören, und die Akzeptanz des Unbehagens, keine vorgefertigten Antworten zu haben. Der Priester merkte an, dass ein solcher Ansatz es vermeide, Abhängigkeiten zu schaffen und den Einzelnen einzuengen, und berief sich auf das Beispiel Christi, der sich nicht durch den Buchstabenglauben des Gesetzes einschränken ließ.
Der Buchautor forderte die Geistlichen auf, nicht nur auf die Erfahrungen der Menschen zu hören, sondern auch auf die Erkenntnisse der Geistes- und Naturwissenschaften. Lunardon wies darauf hin, dass ein bedeutender Teil der katholischen Hierarchie Geschlechterstudien und wissenschaftliche Daten über LGBT-Personen nach wie vor als ideologisch betrachtet und damit Gelegenheiten für einen konstruktiven Dialog verpasst. Er erinnerte daran, dass die Theologie in der Vergangenheit keine Angst davor hatte, sich mit anderen Wissensbereichen auseinanderzusetzen, was beispielsweise für die Methode von Thomas von Aquin charakteristisch war.
Über die pastorale Arbeit mit der LGBT-Gemeinschaft in Italien sprechend, nannte der Theologe Beispiele wie das gemeinsame Bibellesen, den Aufbau von Netzwerken zur gegenseitigen Unterstützung und die jährlichen Wallfahrten, die vom LGBT-Christenprojekt (Progetto Cristiani LGBT+) organisiert werden. Lunardon vertrat die Ansicht, dass die Kirche ihre Traditionen im Laufe der Jahrhunderte bei der Begegnung mit neuen Kulturen und Situationen stets angepasst habe. Er erklärte, dass ein gemeinsamer Weg auch dann möglich sei, wenn die aktuellen Normen und die Morallehre der Kirche noch nicht vollständig auf die heutigen Realitäten abgestimmt seien, was notwendig sei, um dem Evangelium treu zu bleiben.


