UN-Bericht deckt das Ausmaß der Gewalt gegen Lesben und queere Frauen in Lateinamerika auf
Graeme Reid, der unabhängige UN-Experte für sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität, hat auf der 62. Sitzung des Menschenrechtsrats einen Bericht über die Gewalt und Diskriminierung vorgestellt, denen lesbische, bisexuelle und queere Frauen (LBQ) ausgesetzt sind. Das Dokument, das unter Mitwirkung des Menschenrechtsnetzwerks „Red Sin Violencia LGBTIQ+“ erstellt wurde, deckt systemische Probleme in den Ländern Lateinamerikas und der Karibik auf, wo Gewalt oft als Mechanismus zur Durchsetzung traditioneller Geschlechternormen eingesetzt wird.
Nach Angaben von Menschenrechtsverteidigern ist die Aggression gegenüber LBQ-Frauen keine Reihe von Einzelvorfällen, sondern fungiert als Instrument der sozialen Regulierung. Dies zwingt viele Frauen dazu, ihre Orientierung zu verbergen, ihr Aussehen zu verändern und ihre Präsenz im öffentlichen Raum einzuschränken. Ein besonderes Augenmerk legt der Bericht auf Gewalt durch Familienmitglieder, einschließlich Drohungen, körperlicher Angriffe und sogenannter „korrigierender Vergewaltigungen“. Solche Verbrechen werden oft mit dem Schutz der „Familienehre“ gerechtfertigt und von den lokalen Behörden als private Konflikte behandelt, was den Zugang zur Justiz behindert.
Als eines der Haupthindernisse nennen die Experten die statistische Unsichtbarkeit. Die meisten staatlichen Systeme erfassen die sexuelle Orientierung der Opfer von Straftaten nicht. Dies führt zu einer falschen Einstufung von Straftaten, verbirgt das wahre Ausmaß des Problems und fördert die Straflosigkeit. Darüber hinaus behindern institutionelle Vorurteile die Ermittlungen: Die Behörden ignorieren häufig Hassmotive.
Als Empfehlung fordern die UN und Menschenrechtsverteidiger die Staaten auf, ihre Datenerfassungssysteme zu verbessern, die Analyse von Hassmotiven in strafrechtliche Ermittlungen einzubeziehen, Schulungen für das Justizpersonal sicherzustellen und Entschädigungsmechanismen für die Opfer und ihre Familien zu garantieren.


