LGBT-Journalist Yıldız Tar in der Türkei aus der Haft entlassen
Der Chefredakteur der türkischen LGBT-Publikation Kaos GL, Yıldız Tar, wurde nach fast einem Monat im Sincan-Gefängnis in Ankara aus der Haft entlassen. Die Entscheidung fiel nach einer monatlichen Überprüfung der Haftanordnung. Das weitere Gerichtsverfahren wird ohne Untersuchungshaft fortgesetzt.
Wie Bianet berichtet, wurde der Journalist am 23. Juni 2026 im Rahmen von Massenoperationen im Vorfeld des NATO-Gipfels in Ankara festgenommen. Am 25. Juni wurde Tar unter dem Vorwurf der „Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Organisation“ formell verhaftet. Zusammen mit ihm wurden acht weitere Personen, darunter Akademiker und soziale Aktivisten, festgenommen und nun wieder freigelassen.
Während der Verhöre betrafen die Fragen der Ermittler nicht die NATO. Der Journalist wurde zum Teilen eines Interviews mit dem Titel „Ein Jahr des Kampfes, nicht ein Jahr der Familie“ in den sozialen Medien befragt, was eine Reaktion auf die Ausrufung des Jahres 2025 zum „Jahr der Familie“ durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan war. In seiner Aussage wies Yıldız Tar die Vorwürfe der Terrorpropaganda zurück und betonte, dass seine Aktivitäten darauf abzielen, Vorurteile gegenüber der LGBT-Gemeinschaft abzubauen, und eine Ausübung der Meinungsfreiheit und des professionellen Journalismus darstellen.