Schweizer Bischofskonferenz fordert Verbot von Konversionstherapien

Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) hat sich für ein gesetzliches Verbot von Konversionstherapien für LGBT-Personen in der Schweiz ausgesprochen. Die Organisation veröffentlichte eine Erklärung auf dem Portal Katholisch.de vor dem Hintergrund der parlamentarischen Debatten über das Verbot von Praktiken, die darauf abzielen, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu ändern.

Die Bischöfe bezeichneten Versuche, die Orientierung zu ändern, als „gezielte Manipulation“. Das Dokument besagt, dass solche Methoden oft auf Druck, Vorwürfen, Drohungen, Isolation, Demütigung oder religiöser Angst beruhen. Den Autoren zufolge kann die Konversionstherapie in einem religiösen Kontext zu „geistlichem Missbrauch“ werden. Die SBK erklärte, dass diese Praktiken der menschlichen Würde widersprechen und unvereinbar mit der katholischen Seelsorge seien.

Gleichzeitig forderten die Bischöfe eine rechtliche Trennung von Konversionstherapie und seelsorgerischer Beratung. Sie forderten eine klare Definition des Begriffs der „Umpolungspraktiken“ im künftigen Gesetz, um professionelle Psychotherapie und „offene, respektvolle Gespräche“ nicht zu kriminalisieren. Die Bischöfe betonten, dass eine Beratung legitim bleibt, wenn sie die persönliche Integrität schützt und Druck ausschließt. Die SBK fügte hinzu, dass schutzbedürftige Personen einen einfachen Zugang zu Unterstützung und Beschwerdeverfahren benötigen.

Die Position wurde durch Verweise auf die katholische Soziallehre gestützt. Das Dokument hält fest, dass der Respekt vor der persönlichen Integrität ein Grundrecht ist und Menschen vor Zwang geschützt werden müssen. Die Autoren bezogen sich auf eine Predigt von Papst Leo XIV. vom Mai 2025, in der der Pontifex über die Mission der Kirche sprach, die Einheit zu fördern und dabei die Geschichte jedes Einzelnen zu respektieren.

Unterschiedliche Positionen katholischer Strukturen

Die Erklärung der Schweizer Bischöfe unterscheidet sich von der Haltung der katholischen Hierarchen in den USA. Anfang dieses Jahres stellte sich der Oberste Gerichtshof der USA auf die Seite einer christlichen Psychotherapeutin aus Colorado. Sie hatte ein staatliches Gesetz angefochten, das die Konversionstherapie für LGBT-Minderjährige verbot, und sich dabei auf die Meinungsfreiheit berufen. Vor Gericht unterstützten die US-Bischofskonferenz, die Katholische Konferenz von Colorado und die Katholische Universität von Amerika die Psychotherapeutin.

Katholische LGBT-Organisationen sprachen sich in diesem Fall gegen Konversionstherapien aus. Vertreter des New Ways Ministry kritisierten die Entscheidung des Gerichts. Sie erinnerten daran, dass die medizinische Gemeinschaft die Konversionstherapie nicht nur als unwirksam, sondern auch als gefährliche Praxis ansieht, die zu psychischen Traumata und Selbstmord führt.