National Catholic Reporter: Papst Leo XIV. lässt die Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare offen

Äußerungen von Papst Leo XIV. zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare könnten ein offenes Fenster für die Zukunft bedeuten, meint die Redaktion der katholischen Zeitung National Catholic Reporter (NCR).

Im Mai 2026 antwortete Papst Leo XIV. auf dem Rückflug von einer Afrikareise bei einer Pressekonferenz im Flugzeug negativ auf die Frage, ob er die offizielle Segnung gleichgeschlechtlicher Paare billigen würde. Die NCR-Redaktion fordert jedoch dazu auf, diese Antwort im breiteren Kontext der Zukunft der LGBT-Gemeinschaft in der katholischen Kirche zu betrachten.

Papst Leo XIV. betont zwei Gedanken: Die Kirche verändert sich, und moralische Fragen beschränken sich nicht nur auf die Sexualität. In dem Interview erklärte er: „Ich halte es für sehr wichtig, dass sich die Einheit oder Spaltung der Kirche nicht um sexuelle Fragen dreht. Es gibt wichtigere Fragen: Gerechtigkeit, Gleichheit, die Freiheit von Männern und Frauen, Religionsfreiheit.“

Nach Ansicht des NCR ruft Papst Leo XIV. dazu auf, den katholischen Glauben neu zu überdenken. Diese Antwort fordert den konservativen Teil des amerikanischen Katholizismus heraus, der den Widerstand gegen Abtreibung und LGBT-Initiativen als Hauptbeweis für seinen Glauben nutzt.

Obwohl Papst Leo XIV. die formelle Segnung gleichgeschlechtlicher Paare (einen Plan der deutschen Bischöfe) ablehnte, unterstützte er die informellen Segnungen, die zuvor von Papst Franziskus gebilligt worden waren. Die Zeitung betrachtet dies als Fortsetzung des Dialogs mit der LGBT-Gemeinschaft. „Vielleicht lässt Leo diese Frage für morgen offen“, schreibt der NCR.

Als Beispiel für einen erfolgreichen Dialog führt die Zeitung die Treffen der Organisation New Ways Ministry an. Seit 2023 haben 17 US-Bischöfe eine Reihe privater Treffen mit LGBT-Katholiken, Theologen und Seelsorgern abgehalten. Die Treffen halfen den Bischöfen, die Probleme von LGBT-Katholiken besser zu verstehen. Erzbischof John Wester aus Santa Fe merkte an: „Der offene Meinungsaustausch hat es mir ermöglicht, die Probleme, mit denen die LGBT-Gemeinschaft in der katholischen Kirche konfrontiert ist, besser zu verstehen.“ Bischof Joseph Kopacz nannte diese Treffen „einen authentischen Ausdruck dessen, was der Geist der Kirche sagt“.

Die Organisation New Ways Ministry war lange Zeit mit Verfolgungen durch Kirchenbeamte konfrontiert. Das Treffen ihrer Gründerin, Schwester Jeannine Gramick, mit Papst Franziskus wurde jedoch zu einem Beispiel für die veränderte Haltung des Vatikans.

Die von Papst Franziskus begonnene Offenheit bleibt auch unter Papst Leo XIV. bestehen. Nach Ansicht des NCR gibt dies LGBT-Katholiken Hoffnung: „Die katholische Kirche ist keine statische Struktur. Das, was unveränderlich war, ändert seine Form.“