„Race / Queer / Queens“ — Ein Buch herausgegeben von Mira ‘Assaf und Urvashi Chakravarty über Gender, Race und Macht
Der Band untersucht frühneuzeitliche Herrschaft durch Critical Race Studies und Queer-Theorie.

Im September 2026 veröffentlichte der US-amerikanische Verlag ACMRS Press (Arizona Center for Medieval and Renaissance Studies Press) im Vertrieb der University of Chicago Press den englischsprachigen wissenschaftlichen Sammelband Race / Queer / Queens. Herausgegeben wurde das Werk von den Frühneuzeitforscherinnen Mira ‘Assaf (Mira Assaf Kafantaris) und Urvashi Chakravarty.
Mira ‘Assaf ist außerordentliche Professorin für Anglistik sowie Race-, Gender- und Sexualitätsforschung an der Butler University in Indianapolis; ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den vormodernen Critical Race Studies, dem elisabethanischen Drama und der frühneuzeitlichen Monarchieforschung. Urvashi Chakravarty lehrt an der University of Toronto und forscht zu Literatur der Frühen Neuzeit, Sklaverei, Dienstbotenverhältnissen und rassistischen Wissensordnungen im England des 16. und 17. Jahrhunderts; ihre Monografie Fictions of Consent widmete sich der Ideologie von Einvernehmlichkeit und Zwangsarbeit. Gemeinsam versammeln sie Fachleute aus Literaturwissenschaft, Geschichte und Gender Studies, um eine intersektionale Neulektüre höfischer Herrschaftskultur vorzulegen.
Im Mittelpunkt des Bandes steht der ambivalente Status frühneuzeitlicher Königinnen. Einerseits verkörperten sie den Gipfel monarchischer Souveränität, andererseits unterlagen sie geschlechtsspezifischer Entrechtung und dienten als Instrumente dynastischer Fortpflanzungspolitik. Der Buchtitel greift das historische englische Wortspiel zwischen den Homophonen queen („Königin“) und quean („Dirne“ oder gesellschaftlich abgewertete Frau) auf, das zugleich Verbindungen zu zeitgenössischen queeren Konnotationen herstellt. Die Beiträge verdeutlichen, wie der königliche Körper, Heirat, Schwangerschaft, ausländische Herkunft und höfische Repräsentation zu Schauplätzen wurden, an denen Geschlechternormen, Rassenkonstruktionen, Religion und Staatsvorstellungen ineinandergriffen.
Methodisch verbindet das Werk vormoderne Critical Race Studies mit Queer- und Trans-Theorie. Die Kapitel analysieren zentrale literarische und historische Quellen, darunter Werke von William Shakespeare und Ben Jonson, Gedichte von Hester Pulter und Prosaschriften von Lucy Hutchinson. Behandelt werden unter anderem die Konstruktion von Weißsein und queerer Schwangerschaft in Jonsons Hofmaskenspielen, die rassifizierte und queere Darbietung von Knabenschauspielern in Shakespeares Antonius und Cleopatra, dynastische Ängste vor Fremdehen sowie transgeschlechtliche Lesarten von Herrschaft am Beispiel der Elisabeth I. zugeschriebenen „Bisley-Boy“-Legende.
Die Anthologie zeigt, dass Race, Sexualität und Gender in der Frühen Neuzeit keine isolierten Kategorien bildeten, sondern tief in Herrschaftsinstitutionen und dynastische Logiken eingeschrieben waren. Indem die Autorinnen und Autoren den königlichen Hof als Laboratorium ideologischer Normierung begreifen, eröffnen sie neue Perspektiven auf frühneuzeitliche Ausgrenzungs- und Machtmechanismen.






