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„Queer Theologies: The Basics“ — Ein Buch von Chris Greenough über Christentum, Gender und Trans-Theologie

Der britische Forscher zeigt, wie queere Erfahrung christliches Denken und die Bibel neu deutet.

Buchcover des Buches „Queer Theologies: The Basics“ von Chris Greenough
Buchcover von „Queer Theologies: The Basics“

Am 20. Juli 2026 veröffentlichte der britische Wissenschaftsverlag Routledge im Rahmen seiner renommierten Reihe The Basics die zweite, grundlegend überarbeitete und erweiterte englischsprachige Auflage des Buches „Queer Theologies: The Basics“ (Queere Theologien: Grundlagen). Verfasst wurde das Werk von Chris Greenough (Christopher Greenough), einem britischen Forscher auf den Gebieten der Religionssoziologie, der Gender Studies und der Theologie.

Chris Greenough ist Professor für Sozialwissenschaften und Erziehung sowie Leiter der School of Education an der Edge Hill University im Vereinigten Königreich. Seine Promotion (PhD) schloss er an der University of Birmingham ab. Die Forschungsschwerpunkte von Greenough liegen an den Schnittstellen von Religion, Queer-Theorie, Geschlecht, Körperlichkeit und sexualisierter Gewalt. Er ist Autor der Monografien Undoing Theology: Thinking Christianity Through Flesh (2018) und The Bible and Sexual Violence Against Men (2020) sowie Mitverfasser des Einführungswerkes Drag: The Basics (2025).

Der Buchtitel wählt bewusst den Plural — „Queere Theologien“ (Queer Theologies) —, um zu verdeutlichen, dass es sich nicht um ein geschlossenes dogmatisches Lehrgebäude handelt, sondern um ein vielstimmiges Spektrum kritischer Zugänge zu Glauben und kirchlicher Überlieferung. Greenough zeichnet eine präzise Genealogie des Fachbereichs: von den Impulsen der Befreiungstheologie, der feministischen Theologie und der Womanist Theology der 1960er- und 1970er-Jahre über schwul-lesbische Theologien der 1970er- und 1980er-Jahre bis hin zum Aufkommen der Queer-Theorie in den 1990er-Jahren. Mit Bezug auf Judith Butlers Konzept der Performativität von Geschlecht sowie Gedanken von Eve Kosofsky Sedgwick, Adrienne Rich, Audre Lorde und Susan Sontag zeigt der Autor, wie die Theologie den Schritt von bloßer seelsorgerlicher Duldung zur tiefgreifenden Dekonstruktion von Normativität, Sünde, Binarität und kirchlichen Machtstrukturen vollzog.

Ein substanzieller Teil des Buches widmet sich dem „Queeren“ klassischer christlicher Glaubenslehren, darunter Christologie, Trinitätslehre, Gottesbilder und Sakramente. Greenough stützt sich eingehend auf das Erbe der argentinisch-schottischen Theologin Marcella Althaus-Reid und ihr Konzept der „unanständigen Theologie“ (Indecent Theology), die darlegte, wie bürgerliche Vorstellungen von göttlicher Sittlichkeit wirtschaftliche Ungleichheit und sexuelle Kontrolle legitimierten. Das Werk entfaltet eine queere Christologie, die Christus als Verbündeten marginalisierter Körper begreift, und deutet die Trinität als egalitäre Gemeinschaft dynamischer, wechselseitiger Liebe jenseits patriarchaler Hierarchien.

Im Kapitel über die Heilige Schrift stellt Greenough methodische Ansätze einer queeren Hermeneutik vor. Statt bei defensiven apologetischen Erklärungen einzelner Bibelstellen („Clobber Passages“) stehenzubleiben, regt das Buch eine ganzheitliche Lektüre des Kanons aus intersektionaler Perspektive an. Untersucht werden etwa die Erzählungen über David und Jonatan, die Treue zwischen Rut und Noomi sowie die Gestalt der biblischen Eunuchen in den Evangelien und der Apostelgeschichte als Figuren jenseits patriarchaler Ehemodelle und reproduktiver Normen.

Über den eurozentrischen Horizont hinausgehend beleuchtet die Untersuchung queere Theologien im Globalen Süden — in Lateinamerika, Asien, Afrika und indigenen Gemeinschaften. Greenough zeigt auf, wie die Kolonialisierung rigide viktorianische Geschlechterrollen und die Kriminalisierung sexueller Vielfalt exportierte und damit indigene Traditionen zerstörte. Dekoloniale queere Theologien zielen darauf ab, das theologische Denken von imperialen und rassifizierten Hierarchien zu befreien und marginalisierten Gruppen ihre spirituelle Stimme zurückzugeben.

Große Aufmerksamkeit gilt zudem Formen gelebter Theologie, die unmittelbar aus der Praxis queerer Gemeinschaften hervorgehen. Greenough thematisiert den Glaubensaktivismus der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz (Sisters of Perpetual Indulgence), die Drag und Camp als pastoralen Dienst und Fürsorge verstehen, theologische Zugänge zu Asexualität und Ehelosigkeit jenseits von Heteronormativität sowie die Spiritualität von Christinnen und Christen in BDSM- und Kink-Szenen, in denen Hingabe, Konsens und Verwundbarkeit neue Zugänge zu Gnade und Inkarnation eröffnen.

Als maßgebliche Neuerung der zweiten Auflage von 2026 wurde ein eigenständiges Kapitel über Trans-Theologien (Trans Theologies) eingefügt. Anhand von Texten transgeschlechtlicher Theologinnen und Theologen sowie Berichten trans- und nicht-binärer Gläubiger deutet Greenough Transition und körperliche Wandlung nicht als Abweichung von der göttlichen Schöpfungsordnung, sondern als heiligen Akt der Mitwirkung am fortwährenden Schöpfungswerk Gottes. Das Kapitel formuliert eine theologische Kritik der Cisnormativität und bekräftigt, dass körperliche Transformation eng mit dem christlichen Glauben an Menschwerdung und Auferstehung verknüpft ist.

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