„Monastische Begehren“ — ein Buch von Derek Krueger über Homoerotik und Homophobie in der mittelalterlichen Orthodoxie

Eine Studie über byzantinisches Mönchtum, queere Erotik und die Geschichte christlicher Sexualität.

„Monastische Begehren: Homoerotik, Homophobie und die Liebe zu Gott im mittelalterlichen Konstantinopel“ (Monastic Desires: Homoeroticism, Homophobia, and the Love of God in Medieval Constantinople) ist ein in englischer Sprache bei Cambridge University Press veröffentlichtes Buch des amerikanischen Religionshistorikers Derek Krueger. Die Arbeit untersucht das byzantinische Mönchtum als einen Raum, in dem der Verzicht auf das Sexualleben das Begehren nicht beseitigte, sondern in religiöse Formen umlenkte.

Derek Krueger ist emeritierter Professor für Religionswissenschaft sowie Frauen- und Geschlechterstudien an der University of North Carolina at Greensboro und Spezialist für byzantinisches Christentum. Zu seinen früheren Büchern gehören Liturgical Subjects: Christian Ritual, Biblical Narrative, and the Formation of the Self in Byzantium und Writing and Holiness: The Practice of Authorship in the Early Christian East.

Im Mittelpunkt der Studie steht Symeon der Neue Theologe (949–1022), ein byzantinischer Abt und einer der wichtigsten Autoren der mittelalterlichen orthodoxen Mystik. Krueger zeigt, dass Symeons Sprache über die Liebe zu Gott, die Vereinigung mit dem Göttlichen und die Vergöttlichung des Körpers von homoerotischen Bildern durchdrungen war. Zugleich brachte dieselbe monastische Kultur strenge Kontrollnormen hervor: Predigten, Bibelkommentare, Heiligenviten und Klosterregeln warnten vor männlichem gleichgeschlechtlichem Begehren und verbanden es mit Sünde, Strafe und Angst vor dem Körper.

Das Buch betrachtet diese Widersprüche anhand von Symeons Schriften, hagiographischer Literatur, Bußkanones, monastischen Anweisungen, der Tradition des Johannes Klimakos und der Werke des Niketas Stethatos. Statt das Mönchtum außerhalb der Geschichte der Sexualität zu verorten, stellt Krueger die mittelalterliche ostchristliche Spiritualität in diese Geschichte hinein. Deshalb ist Monastic Desires nicht nur für die Byzantinistik und die Geschichte des Christentums wichtig, sondern auch für die queere Religionsgeschichte: Es zeigt, wie Gottesliebe, Körperdisziplin, Angst vor gleichgeschlechtlichem Begehren und männliche monastische Nähe in einem einzigen religiösen System existierten.