„Memory Rehearsal“ – Eleni Sikelianos’ Buch über LGBT-Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts und das Erbe von Eva Palmer

Die amerikanische Dichterin Eleni Sikelianos erforscht das Leben ihrer Urgroßmutter Eva Palmer, ihre lesbischen Beziehungen in Paris und die Wiederbelebung der Delphischen Spiele.

Buchcover
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Im Mai 2026 veröffentlichte der Verlag City Lights Books das englischsprachige Buch Memory Rehearsal. Seine Autorin ist die amerikanische Dichterin und Schriftstellerin Eleni Sikelianos, bekannt für ihre experimentellen, genreübergreifenden Texte, Ökopoetik und die Erforschung ihrer Familiengeschichte.

Die Publikation ist eine Studie über das Leben und Erbe der Urgroßmutter der Schriftstellerin – der amerikanischen Theaterpersönlichkeit Eva Palmer. Im Jahr 1901 verließ Palmer das Leben einer privilegierten New Yorker Society-Dame und zog zusammen mit ihrer Geliebten, der Schriftstellerin Natalie Barney, nach Paris. Die beiden Amerikanerinnen fanden sich im Zentrum der lesbischen Literaturzirkel von Paris wieder, wo sie versuchten, das Werk und Leben der antiken griechischen Dichterin Sappho neu zu interpretieren. Der frühe europäische Modernismus jener Zeit sah in der klassischen Vergangenheit eine Möglichkeit zur sexuellen und kreativen Emanzipation der Frauen.

Später nahm das Leben von Eva Palmer eine scharfe Wendung: Sie zog nach Griechenland, wo sie den Dichter Angelos Sikelianos heiratete, der zu einem Nationalhelden des Landes wurde. Gemeinsam organisierten sie die Wiederbelebung der antiken Delphischen Spiele in der Hoffnung, durch Theateraufführungen und Kunst einen Weg zum Frieden ebnen zu können. Diese groß angelegten Festivals hatten einen erheblichen Einfluss auf die moderne griechische Kultur, führten Palmer jedoch letztendlich in den finanziellen Ruin, und ihre Ehe zerbrach.

In ihrem Buch rekonstruiert Eleni Sikelianos diese bemerkenswerte Reise, indem sie Prosa, Poesie, imaginäre Theatertexte, Archivdokumente und Familienfotos miteinander verwebt. Das Werk verbindet Familienmemoiren, LGBT Geschichte und Kunstgeschichte und ermöglicht es der Autorin, nicht nur die Figur von Eva Palmer aus der Vergessenheit zurückzuholen, sondern auch ihr eigenes Erbe neu zu interpretieren, das sowohl von herausragenden Vorfahren als auch von komplexen modernen Erfahrungen geprägt ist.