„Lavender Sounds“ — Stacey Copelands Buch über lesbische Radiogeschichte und queeren Podcast-Aktivismus
Studie über lesbischen Radioaktivismus und zeitgenössische queere feministische Podcasts.

Im Juli 2026 veröffentlichte der US-amerikanische Universitätsverlag University of Michigan Press das englischsprachige Buch Lavender Sounds: From Lesbian Radio to Queer Feminist Soundwork der Medienwissenschaftlerin und Audioproduzentin Stacey Copeland. Das mit Unterstützung des Eugene B. Power Fund im Open Access erschienene Werk ist die erste umfassende interdisziplinäre Studie, die die historische Kontinuität zwischen dem lesbischen Graswurzel-Radio der 1970er und 1980er Jahre und der heutigen queeren und feministischen Podcasting-Kultur in Kanada und den USA untersucht.
Stacey Copeland ist Assistant Professor für Kulturerbe und Identität am Zentrum für Medien- und Journalismusstudien der Universität Groningen in den Niederlanden. Sie promovierte an der Simon Fraser University in Vancouver im Fach Kommunikationswissenschaft und verbindet wissenschaftliche Medienforschung mit praktischer Audioarbeit. Copeland ist Co-Direktorin des Amplify Podcast Network und Co-Vorsitzende der Forschungsgruppe für Radio und Audiomedien der Society for Cinema and Media Studies (SCMS). Ihre Doktorarbeit zur politischen Phänomenologie des radikalen lesbischen Radios bildete das Fundament dieser Monografie.
Im Mittelpunkt des Buches steht das Konzept der „Klangarbeit“ (soundwork) — das Ineinandergreifen von Aufnahme, Schnitt, Ausstrahlung und kollektivem Zuhören als Form des politischen Widerstands und Kulturaktivismus. Copeland argumentiert, dass die feministische und queere Geschichtsschreibung visuelle Medien und Drucksachen wie Fanzines und Plakate lange Zeit überbetont hat. Demgegenüber entwirft sie die Idee eines „feministisch verkörperten Ohrs“, das Klang nicht nur akustisch wahrnimmt, sondern als körperliche Erfahrung begreift, die Generationen über das Rauschen der Zeit hinweg verbindet.
Die empirische Grundlage des Buches bilden historische Bestände der Archives of Lesbian Oral Testimony sowie Tonarchive freier Radiostationen in Kanada und den USA. Die Autorin analysiert Pioniersendungen wie The Lesbian Show auf Vancouver Co-op Radio (CFRO-FM), die seit Ende der 1970er Jahre lief, die Montrealer Sendung Dykes on Mykes (CKUT-FM) sowie Produktionen des US-amerikanischen Pacifica-Netzwerks. In Zeiten gesellschaftlicher Stigmatisierung bot der Rundfunk einen Schutzraum, der die geografische und soziale Isolation vieler Frauen durchbrach.
Copeland untersucht den „Aktivismus der Hörbarkeit“ (audibility activism) und die Entstehung intimer Klangwelten („Küsse durch das Rauschen“). Anhand von Sprechstilen, Studioatmosphären und Hörerinnenanrufen zeigt sie auf, wie Radiosendungen intime Räume der Sicherheit für Menschen schufen, die im Alltag ungeoutet leben mussten.
In den abschließenden Kapiteln schlägt das Buch den Bogen zum zeitgenössischen Podcasting: von informellen Gesprächsformaten (chumcasts) über narrative Dokumentationen bis hin zu Klangkunst. Auf Basis von Interviews mit führenden queeren Podcasterinnen thematisiert Copeland Fragen algorithmischer Zensur und die oft unsichtbare Sorgearbeit zur Pflege unabhängiger queerer Audioarchive im Zeitalter digitaler Streaming-Plattformen.






