„Die reproduktive Gesundheit von Trans-Personen in Madrid“ — Juana Ramos Cantós Buch über reproduktive Gerechtigkeit
Soziologische Studie über reproduktive Wünsche von Trans-Personen und Versorgungsbarrieren.

Im Juni 2026 veröffentlichte das spanische Zentrum für soziologische Forschung (Centro de Investigaciones Sociológicas, CIS) in Kooperation mit dem Ministerium für die Präsidentschaft die Monografie von Juana Ramos Cantó mit dem spanischen Originaltitel La salud reproductiva de las personas trans en Madrid: del requisito de esterilización al paradigma de los derechos („Die reproduktive Gesundheit von Trans-Personen in Madrid: Vom Erfordernis der Sterilisation zum Paradigma der Rechte“). Das Werk erschien als Band 338 der wissenschaftlichen Reihe Monografías und wird über die staatliche Publikationsstelle BOE und den spanischen Universitätsverlag UNE vertrieben. Es handelt sich um die erste umfassende qualitative soziologische Untersuchung in Spanien, die sich systematisch mit den Fortpflanzungswünschen, institutionellen Hürden und klinischen Erfahrungen von Trans-Personen auseinandersetzt.
Juana Ramos Cantó ist Dozentin für gesundheitsbezogene Soziale Arbeit und praktizierende Sozialarbeiterin mit langjähriger Erfahrung in der Unterstützung von Geflüchteten und Migranten. Nach ihrer Promotion in Sozialer Arbeit an der Universidad Complutense de Madrid (UCM) forscht sie schwerpunktmäßig zu sozialen Determinanten der Gesundheit, Ungleichheiten im Gesundheitswesen, reproduktiver Gerechtigkeit und Menschenrechten. Die Monografie basiert auf ihrer an der UCM vorgelegten Dissertation und verknüpft fundierte sozialwissenschaftliche Methodik mit praktischer Erfahrung im Gesundheitssektor.
Ausgangspunkt der Studie ist ein prägendes Medienereignis des Jahres 2008: Das Foto des schwangeren Trans-Mannes Thomas Beatie auf dem Titelblatt der Zeitschrift The Advocate machte international sichtbar, dass Trans-Personen Kinder gebären können und wollen. Während dieses Ereignis international neue bioethische und soziologische Forschungsstränge anstieß, blieb das reproduktive Wohl von Trans-Personen in Spanien lange Zeit wissenschaftlich wie versorgungspolitisch vernachlässigt.
Der historische Bogen des Buches analysiert den Übergang von der Praxis der erzwungenen Sterilisation als Voraussetzung für die rechtliche Geschlechtsanerkennung — wie sie unter dem früheren Gesetz 3/2007 durch Pathologisierung und jahrelange Hormontherapie de facto verlangt wurde — hin zu moderner körperlicher Selbstbestimmung. Ramos Cantó reflektiert diese Entwicklung vor dem Hintergrund der Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte von 2017 und des spanischen Gesetzes 4/2023 („Ley Trans“).
Die empirische Untersuchung stützt sich auf ausführliche qualitative Interviews mit trans-maskulinen, trans-femininen und nicht-binären Personen in der Region Madrid sowie deren Erfahrungen mit dem öffentlichen Gesundheitssystem (SERMAS). Die Ergebnisse belegen erhebliche strukturelle Defizite: mangelnde Aufklärung über Fertilitätserhalt (Kryokonservierung von Eizellen und Samenzellen), Diskriminierung in gynäkologischen Abteilungen sowie die Belastungen durch Minderheitenstress.
Ein wesentlicher theoretischer Beitrag des Werks liegt in der Analyse iatrogener Effekte und unbewusster eugenischer Dynamiken. Das klinische Drängen auf rasche medizinische Transition ohne frühzeitige Sicherung von Keimzellen führt oft zu unfreiwilliger Unfruchtbarkeit. Anhand dokumentierter Erfahrungen mit Schwangerschaften trans-maskuliner und nicht-binärer Menschen formuliert Ramos Cantó konkrete Handlungsempfehlungen für Sozialarbeit und Gesundheitspolitik, um reproduktive Gerechtigkeit und informierte Einwilligung nachhaltig zu verankern.






