„Das Gesetz des Geschlechts“ — ein Buch von Laure Murat über die Kulturgeschichte des „dritten Geschlechts“ in Frankreich
Das Werk untersucht, wie Medizin und Literatur im 19. Jahrhundert die Bilder von Trans-Personen prägten.
„Das Gesetz des Geschlechts“ (La Loi du genre) ist ein in französischer Sprache im Flammarion-Verlag veröffentlichtes Buch der französischen Kulturhistorikerin Laure Murat über die Entstehung von Geschlechternormen in Frankreich ab dem 19. Jahrhundert. Im Kontext der Geschichte der LGBT-Gemeinschaft und der Medikalisierung der Sexualität zeigt diese Studie, wie starre Geschlechternormen mit realen Menschen zusammenstießen, die von der Gesellschaft als Kriminelle oder Patienten abgestempelt wurden.
Laure Murat ist eine französische Forscherin und Professorin. Ihre wissenschaftlichen Interessen konzentrieren sich auf die Geschichte der Psychiatrie, der Literatur und der kulturellen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität.
In ihrem Buch wendet sich die Autorin dem Konzept des „dritten Geschlechts“ zu – einer Sammelkategorie, durch die die französische Gesellschaft im 19. Jahrhundert versuchte, Menschen zu verstehen, die nicht in die traditionelle Aufteilung in Männer und Frauen passten. Das Werk erzählt, wie Polizei, Medizin, Literatur und moralistischer Journalismus die Bilder von Menschen mit abweichendem Geschlechterverhalten schufen und kontrollierten.
Die Autorin verfolgt die Entwicklung der Ansichten über das Geschlecht von den Verfolgungen im Paris der Ära von Honoré de Balzac bis zu den medizinischen Beschreibungen und frühen Zeugnissen von Trans-Erfahrungen in der Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Als Quellen für die Analyse werden Polizeiarchive, sexologische Traktate und literarische Werke herangezogen. Im 19. Jahrhundert wurde in Frankreich Verhalten, das zuvor als kriminell galt, zu einem Studienobjekt für Ärzte und Psychiater, was die medizinische Perspektive auf die Sexualität für die gesamte Folgezeit prägend machte.