„How to Win a Culture War“ — Lisa Stulbergs Buch über Popkultur und Sport im LGBTQ+-Wandel
Eine Studie darüber, wie Medien, Sport und Kultur den gesellschaftlichen Wandel für LGBTQ+ prägten.

Im Oktober 2026 veröffentlichte die University of Chicago Press das englischsprachige Buch der Soziologin Lisa M. Stulberg mit dem Titel How to Win a Culture War: LGBTQ+ Social Change Through Pop Culture („Wie man einen Kulturkampf gewinnt: Sozialer Wandel für LGBTQ+ durch Popkultur“). Das Werk untersucht, wie Unterhaltungsmedien, Fernsehen, Musik und Profisport den Boden für tiefgreifende rechtliche und gesellschaftliche Veränderungen zugunsten von LGBTQ+-Menschen in den Vereinigten Staaten bereitet haben.
Lisa M. Stulberg ist eine US-amerikanische Soziologin und außerordentliche Professorin für Bildungssoziologie an der Steinhardt School of Culture, Education, and Human Development der New York University (NYU Steinhardt). Sie promovierte an der University of California, Berkeley und forscht zu Bildungssoziologie, Sozialpolitik und Bürgerrechtsbewegungen. Stulberg ist zudem Autorin des 2018 bei Polity erschienenen Fachbuchs LGBTQ Social Movements sowie zahlreicher wissenschaftlicher Studien zu Bildungsgerechtigkeit.
Die Untersuchung stützt sich auf eine vierzehnjährige Forschungsarbeit und mehr als 170 Tiefeninterviews mit Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren, Produzenten, Regieführenden, Schauspielenden, Musikerinnen, Spitzensportlern und Aktivisten. Zu den Befragten zählen unter anderem Will & Grace-Hauptdarsteller Eric McCormack, Orange Is the New Black-Schauspielerin Lea DeLaria, der vierfache Olympiasieger im Wasserspringen Greg Louganis, ehemalige NFL-Profis sowie die Macher der 2025 ausgestrahlten Serie Heated Rivalry über queere Identität im professionellen Eishockey. Ergänzt werden die Zeitzeugenberichte durch Archivmaterialien von Mediengewerkschaften und Sportverbänden.
Stulberg systematisiert das Wirken der Kulturschaffenden in sechs miteinander verwobene Handlungsstrategien des sozialen Wandels. Der erste Schritt besteht darin, sichtbar zu werden („be visible“) und über Fernsehbildschirme direkt in die Wohnzimmer der Menschen zu gelangen. Der zweite Schritt ist die Nutzung der eigenen Plattform („use your platform“) für gezielte Aufklärungsarbeit. Der dritte Schritt zielt auf die Veränderung des Arbeitsumfelds („change the workplace“) durch betriebliche Interessengruppen, Antidiskriminierungsrichtlinien und tarifliche Schutzmaßnahmen in Filmstudios und Sportligen.
Als vierte Strategie beschreibt die Autorin das Übertreffen von Erwartungen („overachieve“): Queere Pionierinnen und Pioniere sahen sich gezwungen, überragende Leistungen zu erbringen, um Vorurteile zu entkräften. Der fünfte Schritt ist das Etablieren als Normalität („become normal“), bei dem queere Figuren und Biografien selbstverständlicher Teil des Alltags werden. Der sechste Schritt lautet schließlich, queer zu bleiben („stay queer“): dem Anpassungsdruck an bürgerliche Normen zu widerstehen und das Recht auf vielfältige, ungeschliffene Identitäten zu bewahren.
Das Buch zeichnet den Weg von den Zensurbestimmungen der Mitte des 20. Jahrhunderts über stereotype Nebenfiguren bis hin zu Hauptsendezeit-Serien und Coming-outs im Mannschaftssport nach. Stulberg hebt hervor, dass der kulturelle Wandel gerichtlichen Urteilen nicht bloß hinterherlief, sondern Gesetzesreformen oft um Jahre vorausging, indem er Empathie schuf. Vor dem Hintergrund aktueller politischer Gegenbewegungen und Gesetzesinitiativen verdeutlicht das Werk, warum die Kultur ein unverzichtbares Terrain zur Verteidigung bürgerlicher Freiheiten bleibt.






